Vienna Teng: Sirene von Liebe und Traum

Von Sabine Rother: Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Wenn ein verregneter Tag in einen verregneten Abend mündet, und in der anbrechenden Nacht die Gewitterschauer weiterhin auf das weiße, hohe Zeltdach prasseln, dann ist selbst das erprobte Team von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg stark besorgt. Unnötig: Das Publikum rückte zusammen, einige holten sich heißen Tee statt kalter Getränke, und die Technik blieb wachsam, falls die Feuchtigkeit doch noch irgendwo einen Kurzschluss auslösen würde. Und endlich wird es etwas wärmer, denn Vienna Teng, die Amerikanerin chinesischer Abstammung, betritt in ihrer herzlich unkomplizierten Art die Bühne, setzt sich rasch ans Klavier, gefolgt von Warren Williams (Cello, E-Gitarre, Gesang) und Alex Wong (Akustik-Gitarre, Gesang, Percussions), zwei extrem vielseitigen Partnern bei «Inland Territory».
Die schlanke junge Sängerin in Jeans und burgunderrotem Seidentop trotzt dem Wetter mit ihren filigranen Songs voller Gefühl, Kraft und Nachdenklichkeit. Mal ist sie träumerisch versonnen, dann wieder bewegt sie sich völlig sicher im kreativen Raum zwischen Klassik und freiem Jazz bis hin zur Improvisation, die ihre große Reife beweist.

Hochwertige Partner

Zusammen mit Williams und Wong kann sie experimentieren. Die beiden sind hochwertige Partner, die oft sehr Spezielles beitragen, manchmal allerdings ein bisschen zu laut werden und ein paar Feinheiten der Solistin überdecken. Virtuos am Klavier, entwickelt Vienna Teng mit ihren Musikern immer wieder kammermusikalische Qualität. Sie mag den Kontakt zum Publikum, erzählt, wie ein Song entstanden ist und was sie dabei empfunden hat. In ihrer Musik kann man diesen Gedanken nachspüren. Mit elektronischer Hilfe (Vocoder) steigert sie etwa den Kummer über Elend und Not in der Welt zum schmerzlichen Sphärenjammern der armen Seelen, flüstert dann wieder als sanfte Sirene von Liebe und Traum. Jeder hat seine Solomomente, gemeinsam berühren sie die Zuhörer mit klingenden Miniaturen und ungewöhnlichen Ideen. Selbst feine Geräusche wie das Händereiben (Vienna Teng) oder das gelenkte Klirren von Haus- und Autoschlüsseln aus dem Zuschauerraum verwandeln sich in Musik. Natürlich beherrschen ihre Fans selbst das Flamenco-Klatschen zum entsprechend spanisch geprägten Song. Dann wieder setzt sie kleine Glanzlichter mit dem Xylophon oder entwickelt Country-Music-Temperament.

Zum Schluss gibt es drei Zugaben, unter anderem Randy Newmans melancholischer Song «I Think It’s Going To Rain Today» (wie passend), und ein stilles Gemeinschaftslied mit den Zuschauern, die erstaunlich klangschön mitsingen. Begeisterter Applaus. Alle packen ihre Schirme aus, aber der Regen stört nicht mehr.

Staff Benda Bilili: Starke Gefühle auf der Burg-Bühne

Von Sabine Rother: Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Dieser Abend ist anders. Aufwühlende Musik, faszinierende Akteure und eine mitreißende Performance: Auf der Bühne von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg sind internationale Künstler mit weltmusikalischer Prägung zurzeit Dauergäste. Mit der kongolesischen Band Staff Benda Bilili war jedoch ein Ensemble engagiert, das in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich war, eine künstlerisch wie menschlich mutige Entscheidung. Von den acht Männern im Alter zwischen 17 und 55 Jahre sind fünf behindert – Opfer der Kinderlähmung, an der im Kongo noch immer viele Menschen erkranken.

«Unsichtbares» zeigen

Da sie in keinem sozialen Netz aufgefangen werden, ist Verelendung die Folge. Aus einem Straßenmusiker-Projekt ging diese Band hervor, deren Einnahmen auch eine Selbsthilfeorganisation in Kinshasa unterstützt. Leon «Ricky» Likabu ist Kopf der Truppe, deren Name so viel wie «das Unsichtbare sichtbar machen» bedeutet.
Leidenschaftlich verkörpern sie die Botschaft, dass Behinderung nicht alles ist, dass Lebensfreude und Selbstbewusstsein heilsamen Trost spenden können. Sie leben es vor. In der ausverkauften Burg-Arena mischen sich – unter anderem Dank einer Kooperation mit der Heemann-Stiftung – Menschen mit und ohne Behinderung. Alles läuft wie am Schnürchen, unaufgeregt, rücksichtsvoll, gut vorbereitet. Helfende Hände sind jederzeit zur Stelle.

Plötzlich eine kleine Kolonne. Die Künstler nehmen den gleichen Weg, wie das Publikum – mitten durch den Zuschauerraum. Begeisterung brandet auf, die Mikrofone sind auf Sitzhöhe eingerichtet, es geht los. Soukous, die kongolesische Rumba, Funk, Reggae und die tiefgründige Kraft des Rhythm& Blues verbinden sich bei Staff Benda Bilili zu einer Musik, die aus tiefen schwarzen Wurzeln gespeist wird, ein starker Strom, der in allen Klangfarben aufleuchten lässt, was die afrikanischen Völker jemals beeinflusst hat. Schmerzlich wie ein Kinderweinen, wehmütig und sehr innig durchzieht die Songs immer wieder der Klang von Roger Landaus selbstgebauter Satonge, einem einsaitigen, elektrisch verstärkten Instrument, das der Jüngste aus einer Kanne eigenhändig gefertigt hat. Seine Melodien, die über, unter oder neben dem eigentlichen Song balancieren, lassen an Nervenschmerz und Klage, aber auch ans zähe Weiterleben denken. Sprechgesang, Mehrstimmiges, Soli, hervorragende Variationen lassen die von Coco Ngambali komponierten abwechslungsreichen, sich in Intensität und Tempo steigernden Stücken zu einem großen Bild der Gefühle, Nöte und Hoffnungen zusammenwachsen. Gesungen wird in der Landessprache Lingála und in Französisch.

Und jeder hat seinen Tanzstil. Die Männer in den Rollstühlen drehen sich im Takt und lassen sich von den Rhythmen mitreißen, die Djunana Tanga-Suele sogar dazu bringen, sich kurzfristig zum Erstaunen des Publikums auf den Bühnenboden zu begeben. Die verkümmerten Beine stoppen sein atemberaubendes Temperament nicht, er tanzt! Und bald trauen sich die Zuschauer, vor der Bühne mitzutanzen. Auch Kabiosa Kabamba, der Sänger auf hohen Krücken, bleibt beständig in Bewegung. Und der junge Roger mit seiner seltsam singenden Laute, die überall mitklingt?

Der Musik hingegeben

Er joggt manchmal fast versunken Richtung Bühnenmitte, läuft schüchtern ins Publikum, kehrt um, ganz der Musik hingegeben. Fels in der stürmischen Brandung ist Bassist Paulin «Cavalier» Kiara Maigi, der in weißem Outfit mit silbrigem Hut und Sonnenbrille hauptsächlich die Hände tanzen lässt. Zeremonienmeister ist Montana Kinunu Ntunu am afrikanischen Schlagzeug, gesangsstark und konzentriert bleibt Sänger ThŽo Nsituvuidi. «Très, Très Fort», so der Titel von Programm und CD – sehr, sehr stark ist dieses Konzert, dessen Wirkung eine geschickte Lichtregie steigert. Nach zwei Stunden winken die Musiker glücklich erschöpft mit den weißen Handtüchern. Wie es war? Eine Zuschauerin bringt es auf den Punkt: «Zum Weinen schön!»

Vienna Teng auf Burg Wilhelmstein am heutigen Sonntag

Die Amerikanerin chinesischer Abstammung Vienna Teng ist in Deutschland mittlerweile kein Geheimtip mehr. Ihre erste auch hier veröffentlichte Platte “Dreaming Through The Noise” mit der Radio-Hitsingle „Whatever You Want“ erfreute sich sofort großer Beliebtheit und weckte immenses Interesse.

Und das wird auch von der aktuellen Produktion nicht enttäuscht. Irgendwo zwischen Folk und Pop, mit Einflüssen aus Klassik und Jazz, siedelt Vienna Teng selbst ihre Musik an. Die seit eineinhalb Jahren in New York lebende Sängerin liebt die Vielfalt, die sie von überall annimmt und zu Eigenem verarbeitet. „Inland Territory“ handelt von Persönlichem und beschäftigt sich mit verschiedenen geopolitischen Szenarien. Teng denkt sich in andere Menschen und Schicksale hinein, reflektiert Familie, Beziehungen, letztlich ihre Existenz. Sie ist eine pragmatische Philosophin, erhebt ihre Stimme, erzählt Geschichten und bezieht Position.

Das macht „Inland Territory“ zu einem bewegenden Programm, das sich klar und mit Anspruch vom popmusikalischen Alltag abhebt. Zumal live im Zusammenhang mit den Glanzpunkten der vorangegangenen Alben und gemeinsam mit ihren superben Musikern setzt Vienna Teng ihre bisherige Entwicklung fort, in eine Richtung, die sie zielstrebig in das Pantheon des großen amerikanischen Songwritings führt. Tickets gibt es noch an der Abendkasse oder hier.

Flamenco der Weltklasse mit Maria und Alba Serrano am 14. August

Vor 18 Jahren wurde Maria Serrano von André Heller für seine Show “Magneten”entdeckt. Schnell wuchs die junge Flamencotänzerin zu einem der Stars des Heller-Ensembles heran. Seither begeisterte das “vulkanische Ereignis” (André Heller) auf Bühnen rund um den Erdball, unter anderem auch bei uns. Damals kam ihre Schwester Alba Serrano zur Welt und entdeckte schon früh die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Eltern mussten arbeiten, also nahm Maria Serrano ihre kleine Schwester schon als Baby mit auf Tournee. So kam es schon mal vor, dass die Kleine während der Proben im Gitarrenkoffer schlief. Bereits mit 3 Jahren bestand die Alba darauf, mit ihrer Schwester bei den Zugaben auf der Bühne zu tanzen.

Inzwischen ist Alba Serrano 18 Jahre alt, sie hat nach 12 Jahren intensiven Studiums das Konservatorium für Tanz in Sevilla abgeschlossen und mit ihrer Schwester Maria “Intuición” kreiert. Eine sinnliche und intuitive Annäherung an die gemeinsame Profession der beiden Schwestern, den Flamenco. Die Tanzstile verschmelzen, die Schwestern werden eins, um dann plötzlich wieder mit eruptiver Kraft in ihre individuellen Laufbahnen auszubrechen, denn die Intensität in “Intuición” nährt sich aus völlig unterschiedlichen Hintergründen und Zugängen der Tänzerinnen, aber auch aus der intuitiven Harmonie zwischen den Schwestern. Im Spannungsfeld der eruptiven Kraft Maria Serrano’s und der klassichen Eleganz ihrer Schwester Alba zelebriert “Intuición” zeitgenössischen Flamenco in all seinen Facetten auf höchstem Niveau. Und das nicht nur tänzerisch, sondern auch musikalisch. Dafür bürgt neben den beiden Weltklasse-Solistinnen das ebenfalls hochklassige Ensemble: Inmaculada “La Carbonera” Rivero (voc); Juan José Navarro (voc); Eduardo Trassiera (git); Ismael Perez (piano); Pablo Pradas (bass); Andrej Vujicic(perc. Am Samstag 14. August bei uns auf der Burg. Die Tickets gibt es unter der Hotline 02405-94102 und ganz bequem hier.

Sierra Maestra auf Burg Wilhelmstein – Virtuose Könner

Von Sabine Rother: Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Kühl, ein bisschen regnerisch, und noch kurz vor dem Aufleuchten der Scheinwerfer ein Gewitterguss: Das alles ist vergessen, als die neun Männer der kubanischen Band Sierra Maestra die Bühne von Burg Wilhelmstein in Würselen-Badenberg betreten und gut gelaunt zeigen, was sie können. Helle Jacketts, dunkle Brillen, Sonntagsanzüge, sie freuen sich über das Publikum und wollen ihm Gutes tun. In ihrer Musik klingt das reiche musikalische Erbe einer armen Insel auf. Sierra Maestra, der Name ist kein Zufall, denn die Bergkette im Osten Kubas gilt als Wiege des Son, jenes Stils, der Mambo, Cha-Cha und Salsa prägen sollte. Was die Band heute lebt und liebt, sind jazzige afro-kubanische Farben, tanzbare Musikstücke, zu denen sich auch in Würselen bald die Tanzpaare vor der Bühne mit leidenschaftlichem Vergnügen am Hüftschwung bewegen.

Sierra Maestra, das sind virtuose Könner, bei denen sich einer auf den anderen verlassen kann. Locker, fast beiläufig spulen sie ein Programm ab, das mit Soloeinsätzen von Trompeter Yelfris Valdes Espinosa und den Gitarristen Emilio Ramos und Jesus Bello Diaz schöne Höhepunkte erlebt. Auch wenn man nur wenig von der fröhlichen Moderation versteht, eines ist sicher: Sie bleiben stets locker, selbst dann, wenn Yelfris mitten im Solo mal seine Trompete absetzt, sie ausschüttelt und dann kraftvoll weiterspielt.

Auf Bongos und Congas (Eduardo Rico Menendez) entwickelt sich ein glühendes Percussionsfeuerwerk. Claves, die unscheinbaren Klangstöcke, wirbeln in den Händen von Bandleader Alejandro Suarez, am Bass ist Eduardo Himley ein sicherer, stiller Mann, mit dem klingenden Flaschenkürbis «Güiro» und den «Maracas», den Rumbakugeln, würzen Carlos Puisseaux und Alberto Valdes die heiße Musikmischung, bei der Luis Barzaga und seine Kollegen innig und eindringlich von ihrem heißen Land und den uralten Sehnsüchten singen.

Irgendwann packt der weiche schwingende Rhythmus dann selbst diejenigen im Publikum, die zunächst auf ihren Plätzen geblieben sind. Ein Abend für alle: die Genussmenschen, die das Sinnliche in dieser Musik lieben, die Globetrotter, die von Kuba träumen, und die Experten, die für weltmusikalische Entdeckungen schwärmen. Begeisterter Applaus.

Midge Ure: Gekonntes Spiel mit Nostalgie

Von Stefan Schaum, Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Böse Zungen mögen behaupten, dass der Mann nur zwei Arten von Songs im Angebot hat: alte und noch etwas ältere. Midge Ure würde es ihnen nicht verübeln. Schließlich kokettiert der Sänger beim Auftritt auf Burg Wilhelmstein selbst ganz offenherzig mit der Nostalgie. Er kann sich das leisten. Immerhin sind es einige Welthits, die er in teils behutsam modernisierten Versionen präsentiert. Thin Lizzy, Visage und natürlich Ultravox, deren Songs am Abend besonders oft zu hören sind – viele Bands hat der heute 56-Jährige als Sänger, Komponist und Gitarrist begleitet. Er selbst sieht richtig frisch aus. Gerade erst sei er aus dem Urlaub zurückgekehrt, eröffnet er dem Publikum mit breitem Lächeln und ebenso breitem schottischen Akzent.

Die Band habe deshalb nicht so oft proben können, man möge die Fehler verzeihen. Das wird nicht nötig sein, denn seine drei Musiker spielen prima. Ure selbst greift zur Gitarre, die die Songs live deutlich prägt.

Knackige Rockriffs

So weicht der einstmals dicke Keyboardteppich des Songs «Fade To Grey» auf der Bühne einigen knackigen Rockriffs. Auch seinen Solo-Hit aus den 80er Jahren, «If I Was», würzt Ure mit zwei Soli, die die Ballade eine ganze Spur knackiger machen.

So gefühlvoll wie seine Gitarrenarbeit ist auch die Stimme. Warm ist sie noch und kräftig. Wobei die langen, hohen Töne – sein Markenzeichen – heute schon mal eine Spur außer Reichweite zu liegen scheinen. Hier und da verkürzt er die Melodienbögen daher ein wenig. Dem Genuss tut es keinen Abbruch. Zumal das Publikum bei Songs wie «Hymn», den es als umjubelte erste Zugabe gibt, ohnehin als gewaltiger Chor fungiert.

Kaum einer ist hier unter 30, viele sind mit der Musik von Midge Ure aufgewachsen und entsprechend textsicher. Und nach 90 Minuten stehen alle und klatschen euphorisch mit. Denn dann gibt es «Dancing With Tears In My Eyes», den größten Hit von Ultravox. Gut 25 Jahre alt.

Aber so spielfreudig, wie Ure ihn auf Burg Wilhelmstein präsentiert, ist er kein bisschen angestaubt. Wenn böse Zungen mal ehrlich sind, könnten sie auch behaupten, dass Ure eigentlich nur eine Art von Songs im Angebot hat: zeitlose.

Salsa, Son & Rock’n’Roll

Vor 30 Jahren retteten neun Studenten in Havanna den Son vor dem Aussterben. Sie gründeten die Band Sierra Maestra, benannt nach jener Bergkette im Osten Kubas, in deren Hügellandschaft der Son, die Wurzel weltweit populärer Musikstile wie Mambo, Cha-Cha oder Salsa entstand, und sie reanimierten die alte akustische Musik aus der Provinz.

Bläser, die dreisaitige Gitarre Tres, Bongos und Claves standen plötzlich wieder im Mittelpunkt einer unverwüstlichen erotisierenden Tanzmusik, die von schneidenden Trompetensoli, ausgefeilten Vokalsätzen und einer ebenso selbstverständlich wie vertrackt wirkenden Rhythmik lebt. Konzerte von Sierra Maestra waren und sind immer ein Fest, das dem Son gewidmet ist und rootslastige Guajiras, Afro-Cuban-Jazz mit knackigen Riffs, gefühlvolle Boleros und feurige Son-Montunos präsentiert.

Gleichzeitig ist die 9-köpfige Band eine der Quellen des weltweiten Siegeszuges der kubanischen Musik in den letzten Jahren, wofür auch ihr langjähriger Bandleader und Tres-Virtuose Juan de Marcos Gonzales gesorgt hat, der inzwischen mit den Afro Cuban Allstars um die Welt tourt und Arrangeur und Generalbevollmächtigter des Buena Vista Social Club ist. Auch Cachaito Lopez gehörte lange zur Besetzung, ebenso wie der Cubanismo-Trompeter Jesus Alemany. Die Musik der Insel, hier ist sie in all ihren Stimmungen präsent mit wunderbaren Harmoniegesängen, Solostimmen, im Duett mit den Bläsern und Gruppen-Feuerwerken der Son-Montunos, die zu den weltweit gefeierten Höhepunkten eines jeden Sierra Maestra-Konzerts zählen. Eine virtuose und temperamentvolle musikalische Demonstration kubanischer Mentalität und Lebensfreude: Salsa, Son & Rock’n’Roll. Die Tickets zu diesem Konzert am Mittwoch, dem 28. Juli gibt es hier.

Midge Ure & Band

Pop-Fans schnalzen beim Namen Midge Ure mit der Zunge: Nicht nur führte der in Glasgow geborene Sänger und Gitarrist Feder bei der New Wave-Band Ultravox, auch mit den New Romantics von Visage errang der Schotte Weltruhm. Es gibt schließlich keine amtliche 80er-Jahre Party auf der Welt ohne mindestens Fade To Grey, Dancing With Tears In My Eyes und Vienna.
Dabei übersieht man gerne, dass Midge Ure da durchaus schon eine rockige Vergangenheit besaß, nicht nur durch seine Liebe zu den Small Faces und als Gitarrist bei Thin Lizzy. Diese Wurzeln transportierte er auch immens erfolgreich in seine Zukunft, wie seine zahlreichen Hits beweisen. Aber noch größer als der Welt-Erfolg mit u.a. If I Was, Breathe und Cold Cold Heart geriet ihm etwas Anderes.

Und das war das zusammen mit Bob Geldof in 1985 erstmals initiierte gigantische Hilfs-Konzert-Projekt Live Aid, das 2005 unter dem Motto „Make Poverty History“ gleichzeitig an zehn Orten der G8-Mitgliedstaaten sowie in Südafrika eine Wiederauflage erfuhr. Sinn und Zweck des Ganzen ist beim zweiten Mal vor allem die politische Demonstration an die Adresse der G8-Staaten, die in insgesamt mehr als 24 Millionen Unterschriften bzw. Namen ihre Stimme findet. Midge Ure gehört zum engen Mitarbeiterkreis des Komitees um Geldof und Bono und trifft im selben Jahr die britische Königin, die ihm im Buckingham Palast die Auszeichnung „Officer In The Most Excellent Order Of The British Empire“ (OBE) überreicht.

Zu uns kommt er aber ganz einfach als exzellenter Musiker mit einer natürlich schwer kompetenten Band und einem Streifzug durch alle Stationen seiner eigenen Musikgeschichte. Tickets zu diesem Konzert gibt es hier.

Volkston und Rock-Röhre – Rebekka Bakken auf Wilhelmstein

Von Sabine Rother – Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Wie schön. Spätestens, als Rebekka Bakken bei ihrem Auftritt auf der Freilichtbühne von Burg Wilhelmstein zusätzlich zu englischsprachigen und norwegischen Songs ein Lied des österreichischen Liedermachers Ludwig Hirsch in erstaunlich einwandfreier Mundart singt, fliegen ihr die Herzen des begeisterten Publikums zu. Oder war das in den Momenten, als sie wild, frech rockig und jazzig an Janis Joplin erinnerte? Oder in den meditativen Szenen, bei denen sie in der Sprache ihrer Heimat Songs so interpretierte, dass aus dem volksnahen schlichten Lied große, starke Klanggebilde wurden?

Sie liebt Bühne und Publikum

Die norwegische Sängerin ist eine besondere Frau, unkompliziert und sympathisch. Sie liebt die Bühne, sie liebt ihr Publikum, und die Wechselwirkung bleibt nicht aus. Rund zwei Stunden gibt sie zusammen mit ausgezeichneten Musikern ohne Pause, was sie hat. Und das ist eine Menge.

Die Frau, die zur neuen Generation der skandinavischen Jazzvokalistinnen gehört, hat ihre Erfahrungen mit Folklore- und Kirchenliedern, Pop und Jazz zu einer eigenwilligen, facettenreichen Stilistik entwickelt. Welches Genre sie auch wählt – sie bestimmt es neu.

Und so berührt den Zuhörer die Hinwendung zum innigen volksnahen Song, gibt es Momente, da genießt sie es, von der Rolle einer beschwörenden Priesterin in die der frechen, kessen Chansonette oder Rockröhre zu wechseln. Das geht nur mit einer fabelhaften Sound-Technik und ausgezeichneten Musikern. Die stehen Bakken nicht nur zur Seite, sie haben bei Auftritten wie denen auf Burg Wilhelmstein ihr Eigenleben: Jesper Nordenström ist ein Pianist mit klassisch-intuitivem Talent, Staffan Astner ein grandioser Mann an der E-Gitarre mit atemberaubenden Soli, Sven Linvall ein einfühlsamer Bassist und Per Lindvall am Schlagzeug ein Mann, der sich immer wieder neu einbringt.

Schon nach dem ersten Song hat Rebekka Bakken ihre Sandaletten ausgezogen. Danach ist sie ganz frei, breitet die schlanken Arme aus und nimmt alle mit hinein in ihre hochmusikalische Welt der Balladen, die meist in Kummer und in Erinnerung an romantische Lieben entstanden sind. Ihre guten Texte erzählen vom Leben einer vitalen, kritischen, selbstironischen Frau, die ihre Stärken gefunden und ihre Träume nie verraten hat.

Eine Sängerin voller Überraschungen, die ihr Herz mit kraftvoller, schöner Stimme sprechen lässt. Euphorischer Beifall aus der vollbesetzten Arena. «Time after time» – alle singen mit, hingebungsvoll und sogar tonschön, ein kleines Geschenk für die große Sängerin.

«Und der Schnee draußen schmilzt», würde Ludwig Hirsch den sommerlich gestimmten Menschen in die Nacht mitgeben.

Rebekka Bakken kommt zu uns

Über drei Jahre nach ihrem letzten Studioalbum hat die „norwegische Wunderstimme“ (FAZ) gemeinsam mit Craig Street, der auch schon Norah Jones oder Lizz Wright produziert hat, ihr bisher persönlichstes Album aufgenommen.

Es entstand in einer zum Studio umgebauten Kirche in der Nähe von Woodstock und erfüllt alle Versprechen, die ihre berührenden Live-Shows je gegeben haben. Nie klang die Sängerin überzeugender als auf den emotionalen und feinsinnig instrumentierten Songs von Morning Hours. Bis auf eine Ausnahme stammen alle Lieder aus ihrer eigenen Feder und es sind allesamt romantische Ohrwürmer im besten Wortsinn. Für das Singer/Songwriter-Genre ist dieses Album bereits jetzt ein zeitlos moderner Klassiker und ein Beweis dafür, dass selbst in Zeiten musikalischen Überflusses hin und wieder ein Juwel entsteht. Am kommenden Samstag, dem 17 Juli ist sie live bei uns. Mehr Info und die Tickets gibt es hier.