Die vielleicht beste deutsche Band derzeit? Erdmöbel 6. August bei uns!

Erdmöbel sind ein Phänomen. Länger als eine Dekade gibt es die Band bereits, und ganz langsam haben sie sich im deutschsprachigen Segment von Pop, Rock und Alternative eine unverrückbare Nische erspielt. Wer Element Of Crime mag, muss sie lieben, und das tut spätestens seit KROKUS, ihrem letzten Album, in einer seltenen Geschlossenheit das gesamte deutsche Feuilleton (siehe unten). Ihre Fans hat die Band allerdings schon viel länger.
Erdmöbel pflegen trotz des quasi nekrophilen Namens (eine „gemütliche“ ostdeutsche Bezeichnung für Sarg) in ihren Songs einen lebensbejahenden staunenden Blick auf den Alltag, wobei die unglaublich ausgefuchste Musik (die nach mehrmaligem Hören unweigerlich im Ohr hängenbleibt) zusammen mit den manchmal surrealistisch anmutenden Texten eine Kombination bildet, die es sonst so nicht gibt. Erdmöbel passen in keine der Schubladen, in die Popmusik gerne einsortiert wird. Mit der Hamburger Schule, mit der sie oft in Verbindung gebracht wurden, haben sie so wenig gemeinsam wie mit bravem Kölschrock, obwohl sie dort residieren. Viel eher sind sie „die Band von Leuten, die sich vielleicht für Literatur interessieren, auch hin und wieder eine Platte kaufen, aber zu unlustig oder auch zu beschäftigt sind, um Anschluss an ständig wechselnde Hipnesscodes zu wahren. Auch eine Art von Erfolgsgeheimnis, immer da zu sein, wo der Zeitgeist gerade nicht ist. Erdmöbel sind die lyrischen Ethnografen eines versunkenen Deutschland, mit Köln als Hauptstadt……Als hätten Gottfried Benn, Hans Christian Andersen und die Pet Shop Boys gemeinsam eine Band gegründet“. (Die Zeit)

Man kann es auch anders sagen:
„Pop für denkende Menschen“ (TAZ)
„Erdmöbel sind „die beste deutschsprachige Band unserer Tage“ (Süddeutsche Zeitung)
„Allergrößter Pop-Impressionismus. Keine andere deutsche Band kann das derzeit so wie sie.“ (Rolling Stone)
„Erdmöbel retten den deutschen Pop.“ (Der Tagesspiegel)
„Es fällt schwer, Erdmöbel nicht zu lieben.“ (Stern)
„Ihr bislang bestes Werk, und sie haben schon fünf, sechs ziemlich gute.“ (Musikexpress)

„Seien Sie gut zu sich und kaufen Sie sich dieses Album“ – oder besser: dieses Konzert. „Verschenken Sie es zudem an alle Menschen, die Sie lieben. Man wird es Ihnen danken.“ (faz.net) Tickets gibt es hier.

Seine Gitarre «weint»: Steve Lukather begeistert auf der Burg-Bühne

Von Achim Kaiser – Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Es gibt Konzerte, bei denen einfach alles stimmt: der Ort, hier die ausverkaufte Burg Wilhelmstein, das Publikum und der Künstler: Steve Lukather. Von Beginn an zog der amerikanische Top-Gitarrist nicht nur dank seiner Virtuosität alle Zuhörer in seinen Bann.
Das sympathische Gründungsmitglied der renommierten Rock-Popband Toto legte eine dermaßen leidenschaftliche Spielfreude an den Tag, dass schon nach den ersten Takten des musikalisch furiosen Auftakts die Funken auf die eingeschworene Fangemeinde übersprangen.

Ob grooviger Hardrock, bodenständiger Rock, ungemein spannende Ausflüge in jazzrockige Gefilde oder auch elegante Coverversionen von den Beatles («While my guitar gently weeps») und Toto – Lukather prägt die Songs mit seinem ungemein abwechslungsreichen, aber unverwechselbaren Gitarrenspiel. Da geht es mal locker flockig in Richtung Steely Dan. Ausufernd improvisierend im glänzenden Dialog mit dem flinken Keyboarder Steve Weingart werden auch Erinnerungen an das Mahavishnu Orchestra wach. Und wenn der Kalifornier eine seiner zahlreichen Gitarren an diesem Abend tatsächlich «weinen» lässt, scheint Pink Floyds David Gilmour gar nicht weit entfernt.

Stücke seiner beiden jüngsten Soloalben, aber auch erdige Rocknummern seiner früheren Band Los Lobotomys machen annähernd die Hälfte des glänzenden Programms aus. Auch pop-verwöhnte Toto-Anhänger dürfen am Ende mitsingen, wenn der Maestro dirigiert. Nach zwei Stunden inklusiver zweier Zugaben wird der 53-jährige Kalifornier mit Standing Ovations verabschiedet. Am 22. November ist Lukather mit seiner famosen Band – dazu zählen die brillante Bassistin Renee Jones und der erstklassige Drummer Eric Valentine – wieder zu Gast in der Nähe: in Limbourg.

Open Air Ferienkino – Kottan ermittelt. Auf Burg Wilhelmstein.

Inspektor gibt’s kan? Irrtum! Major Kottan lebt, Peter Patzak hat ihn fürs Kino wiederbelebt – in Person von Lukas Resetarits, dem schrägsten Ermittler seit Clouseau.

Rien ne vas plus.

Drei Morde in 24 Stunden. Das ist für Polizeipräsident Pilch inakzeptabel – da der Karriere nicht förderlich. Ins Innenministerium will er, ganz hinauf, und deshalb muss ein Fahndungserfolg her. Augenblicklich. Also (re-)aktiviert er den besten Mann der Exekutive: Major Adolf Kottan. Doch der ist gar nicht daran interessiert, wieder als „Kieberer“ tätig zu werden, und spielt lieber in Kottan’s Kapelle Gitarre. Da plumpst ihm eine Leiche aufs Kleinwagendach, und er nimmt in der In-Bar Fast Fut seine Ermittlungen auf.

Mit großem Spaß sind alle Beteiligten bei der Sache, ob die „Oldies“ Resetarits, Bibiana Zeller, TV-Ansagerlegende Chris Lohner, Hanno Pöschl und Erni Mangold oder die Newcomer Robert Stadlober als schießwütiger Co-Cop Schrammel, Udo Samel als Kurt-Weinzierl-Nachfolger Pilch oder Wolfgang Böck als Populist Hofbauer, der Wien mit Hilfe von „Polizei-Apparaten“, sprich Robotern, sicherer machen möchte. Ein Kult-Revival, das Lust auf mehr macht. Geh!

Am Donnerstag, dem 28. Juli um 21:30 Uhr auf Burg Wilhelmstein. Info und Tickets hier.

Musikalische Grenzen gibt es nicht: Hazmat Modine auf Burg Wilhelmstein

Von Stefan Schaum, Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Landläufig gilt die Tuba als Instrument mit eher geringem Sex-Appeal. Es muss schon einer wie Joseph Daley kommen, um es mit ihr mal so richtig knistern zu lassen. Derart lässig handhabt der Mann sein Instrument, dass es eine Freude ist. Und es gibt ja noch mehr. Beim Auftritt von Hazmat Modine auf Burg Wilhelmstein ist sein ungewöhnliches Spiel nur einer von vielen Höhepunkten.

Acht Musiker, acht Könner

Acht Musiker, acht Könner: Diese Combo aus New York ist ein Haufen zügelloser Künstler, der sich einen Dreck um musikalische Grenzen schert. Calypso und Reggae, Blues und Klezmer, rumänische Folklore und ganz viel Jazz – die Präsentation der Songs des aktuellen Albums «Cicada» gerät zu einem wilden Ritt, der das Publikum atemlos macht.

Die einzelnen Stücke dienen als Fundament für raumgreifende Soli, die zum Glück nie ausfransen. Stets stehen die experimentierfreudigen Eskapaden der Instrumentalisten im Dienst des großen Ganzen, und das hat im Fall von Hazmat Modine auch einen gewaltigen Groove. Diese Band macht ordentlich Druck, wird stellenweise richtig funky. Und wenn dann Pam Fleming an der Trompete loslegt oder Wade Schuman zur Mundharmonika greift, legen die Kollegen gern noch einen Zahn zu.

Überhaupt Wade Schuman: Der Gründer und musikalische Kopf erntet reihenweise Ovationen des Publikums. Denn die Art, wie er die Mundharmonika spielt, ist unerhört. Sie kreischt in seinen Händen, wimmert, faucht. Dazwischen grummelt und schreit Schuman und man weiß nie so genau, wo sein Spiel endet und der Gesang beginnt. Die Hingabe, mit der die Musiker in diesem gut organisierten Chaos zu Werke gehen, ergreift das Publikum, das heftig applaudiert. Auch aus exotischen Instrumenten wie armenischen Flöten kitzeln die Musiker viel heraus, selbst eine kleine Triangel wird auf der Bühne nicht zum Gimmick, sondern völlig ernst in den Dienst der Musik gestellt. Und auch das ist irgendwie ganz schön sexy.

«Basta» bieten Spaß und Hits

Von Marion Schumacher, Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Ist es unhöflich, während eines Songs zu lachen? Nein – denn genau das ist es, was die fünf von «Basta» mit ihren speziellen Texten und Performance möchten. Anlässlich ihres Zehnjährigen legten die Kölner Jungs auf Burg Wilhelmstein ein Stand-up-Comedy-a-cappella-Spektakel hin.
Vorher kündigten sie ein Video an, das mit einem besonderen, unauffälligen Gast gedreht werden sollte. Ein Star-shooter namens Daniel, bekannt aus «Starwars», mischte sich, verfolgt von «Prinzessin Lea» unters Publikum. «Tut einfach so, als wäre der Typ ganz normal und macht einfach mit. Ihr könnt Euch dann bei Youtube bewundern», grinste Tenor William Wahl.

Dann ging es los mit «SOS» – ursprünglich von Abba, aber von «Basta» einzigartig anders interpretiert. Ebenso unterhaltsam wie witzig, immer unterstrichen durch gelungene Gestik, Mimik mit locker-leichten Choreografien ging es weiter. Beim Song über das Verliebtsein in ein hässliches Mädchen zu Rock’n’Roll-Sound mit fast akrobatischen Einlagen blieb kein Auge trocken. Bei «Du bist so cool» zeigten die Fünf, dass es in einer Disco cool bis unterkühlt zugehen kann. Auch mit Immitationen von Dean Martin und Herbert Grönemeyer brachte «Basta» das Publikum zum Jubeln.

Ebenso bei Ansagen wie «Unser William Wahl schreibt die meisten Texte für unsere Lieder … ab, er ist sozusagen der Guttenberg der A-cappella Szene». «Flockblöten» kamen bei «I can’t get no satisfaction» zum Einsatz und wurden neben Mikrofonständern auf dem Boden zertrümmert. Nach einer Pause ging es mit Reaggae und der musikalischen Frage «Shall we leagalize a-cappella?» weiter. «Yes» rief das Publikum prompt. Egal ob «Wild Thing», der Lover oder auch «Bratislava» und Pilava, egal ob mit Gitarre oder Mundharmonika, die Fünf zeigten enorme Vielseitigkeit und wurden mit Standig Ovations belohnt.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt Andreas Hardegen (Bass), dass das neue Liveprogramm am 8. September beginnt und die neue CD «Basta macht blau» am 16. September zu haben ist: «Von Straßenmusik haben wir die klassiche Laufbahn mit Singen auf Hochzeiten, Geburtstagen, bei Promis eingeschlagen bis zu dem, was wir heute sind. Mit unserer neuen CD wollen wir wieder ein breites Publikum ansprechen und sagen «Geht doch mal entspannt mit den Dingen um, die ihr tut!» Eines stand für alle Besucher am Ende des zweistündigen Konzerts fest: Für «Basta» ist noch lange nicht basta!

Grandioses Quintett auf Burg Wilhelmstein

Von Axel Borrenkott – Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Und immer schön auf die Zwei und auf die Vier. Der rhythmische Verhau, gegen den Musiker beim Mitklatschen meist gerade an den schönsten Stellen anspielen müssen, blieb diesem grandiosen Quintett erspart. Randy Brecker, Bill Evans, John Medewski, Billy Martin und Chris Wood werden ein sehr musikalisches Publikum auf Burg Wilhelmstein in Erinnerung behalten. Bei dieser Besetzung konnte auch gar nichts schiefgehen. Evans, auf Tenor- und Sopransaxophon, und Brecker, der Trompeter, beide tief im Jazz-Becken getauft, gehören seit drei bis vier Jahrzehnten zur allerersten Garde von Bläsern, die bei allem Einheizen nie nur mit Wasser kochen. Rockjazzig im feinsten Sinne, kompatibel für Miles Davis und Bruce Springsteen gleichermaßen, verlieren beide nie die musikalische Qualität ihrer Improvisationen aus dem Auge. Das letzte Stück Gefälligkeit geben sie dem Publikum nicht, das ist der Reiz solcher Grenzgänger in Zeiten, wo sich «reiner Jazz» schlecht verkaufen lässt.

Dass sie das dankbare Publikum im Griff haben, wissen sie eh. Brecker wirkt allein durch seine Körperfülle grundsätzlich freundlich und darf sich, auch schon 65, öfter mal eine Auszeit auf dem Hocker gönnen, während Evans (52) lange, locker und selbstironisch (über das scheußliche ewige Orange seiner T-Shirts) die Musiker vorstellt. Erstaunliche 20 Jahre, erfährt man bei dieser Gelegenheit, sind Medewski, Martin und Wood (MM&W) – so firmieren sie als Band – schon zusammen. Hierzulande eher als kongeniale Partner von John Scofield bekannt, sind sie die eigentliche Attraktion des Abends. Sie können auf ihren Instrumenten auch alles, spielen es aber, eine knappe Generation jünger als Brecker und Evans, noch raffinierter nie ganz aus – von Medewskis herrlichen Ausflügen auf der B-3-Orgel einmal abgesehen.
Billy Martin kultiviert ein geniales Understatement auf dem Schlagzeug und groovt dabei mit Chris Wood am (Elektro- und Kontra-)Bass wie der sprichwörtliche Teufel: nämlich im Untergrund, wo es richtig brodelt. Geradezu nachhaltig. Nur ihre sonstigen Verrücktheiten konnten sie hier nicht ausspielen. Dieses Trio sollte man mal nach Burg Wilhelmstein holen. Das Publikum wird wieder richtig klatschen.

«Literarische Sommernacht» auf Burg Wilhelmstein

Von Elisa Zander, Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Die Tradition des Vorlesens ist selbst in vielen Kinderzimmern nur noch eine seltene Ausnahme. Dabei ist das pädagogisch wertvolle Ritual insbesondere in der frühkindlichen Phase von besonderer Bedeutung, werden hierdurch schließlich Sprache erfahrbar, Zusammenhänge verständlich, Phantasie gefördert und Artikulation vermittelt.

Doch warum droht das Vorlesen eine aussterbende Form zu sein? Fehlende Zeit ist vermutlich eine der häufigsten Erklärungen. Dabei hören doch alle gerne gute Geschichten, Erzählungen, Gedichte oder Novellen. Es ist ein Geschenk, von jemandem etwas vorgelesen bekommen; der Leser öffnet sich dem Zuhörer, gibt etwas von sich preis. Und am Ende bleibt eine völlig andere Wahrnehmung des Textes, als wenn man ihn selbst gelesen hätte.
Jene, die gerne solch ein Geschenk erhalten, hatten am Samstag auf Burg Wilhelmstein wohl das Gefühl, als fielen Weihnachten und Geburtstag sprichwörtlich auf einen Tag.
Roger Willemsen und Martin Stankowski waren stilecht mit der schon bekannten grünen Couch angereist und präsentierten «Eine literarische Sommernacht», das große Ereignis des Radiosenders WDR 5. Schon seit fünf Jahren nimmt das Moderatorenduo die Zuhörer mit auf eine literarische Reise. Begleitet werden sie von Schauspielern und Musikern, die aus der Reise eine abwechslungsreiche Exkursion durch die Literatur- und Kunstgeschichte machen. Diesmal widmeten sich die Reiseleiter in den sieben Stunden sieben Farben, gemäß der diesjährigen Überschrift «Alle Farben dieser Welt».
«Farben stiften Identität», sagte Roger Willemsen gleich zu Anfang und verwies auf die Augen- oder Nationalfarbe. Mit Farben entstünden Assoziationen: Blau steht für Treue, Rot für Liebe, Grün für die Hoffnung und Gelb für Glück. Doch der Farbkreisel der Literatur hat weitaus mehr zu bieten als die sprichwörtlichen Zuordnungen aus dem Volksmund. Und so lasen Suzanne von Borsody, Ulrich Noethen, Laura Maire, Thomas Gsella sowie mehrere Sprecher des WDR Sprecherensembles, unter anderem Michael Müller, Texte mit unterschiedlichem Farbspektrum. Letztgenannter rezitiert etwa das Gedicht «Rote Tomaten» von Dieter Brinkmann, sodass im Anschluss ein Heißhunger auf das rote Schattengewächs aufkeimt. Eine andere Seite des Rot sind Gewalt, Unterdrückung, Blut. Attribute, die auf den Roman «Angeklagt» von Mariella Mehr passen, aus dem ein Monolog einen Einblick in das Seelenleben der angeklagten Protagonistin Kari Selb gibt. Erinnerungen an Eduard Mörikes «Der Feuerreiter» werden wach, den Roger Willemsen passend dazu in seiner Schnellsprechkunst zitiert.
Es ist eine Mischung aus informativen, unterhaltsamen, komischen und zeitweise grotesken Texten, die der Hörer in den sieben Stunden zu hören bekommt. Wie nah diese Genre beieinander liegen zeigt sich am Beispiel der Farbe Braun, übrigens die unbeliebteste Farbe der Deutschen, «obwohl Braun für Qualität steht», wirft Martin Stankowski ein und nennt zum Beleg Holz und Leder. Von Kaffee, Zigarren und Mist ist in den Texten die Rede – und dann stellen Suzanne von Borsody und Ulrich Noethen einen Artikel zum Stichwort «Braunhemden» aus «Vokabular des Nationalsozialismus», einem Lexikon von Cornelia Schmitz-Berning vor.
Der Applaus ist groß, dann herrscht wieder andächtige Stille; alle hören zu, wenn die Sprecher und Schauspieler eigene Emotionen in die Schriften hineinlegen und mit Intonation die Erzählungen lebendig werden lassen. Selbst das kleine Mädchen, das bei seiner Mutter auf dem Schoß sitzt, gibt keinen Ton von sich. Vielleicht sollte das abendliche Vorlese-Ritual doch wieder einen Aufschwung erfahren. Die positiven Auswirkungen wären weitreichend.

Tony Mono beweist: Jeder kann ein Star sein

Von Elisa Zander, Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Da steht er, der selbst ernannte «sexiest man alive», in der Stadt «mit dem erotischsten Namen der Welt: Würselen». Seinen roten Satin-Bademantel hat er auf die Holzdielen der Bühne der Burg Wilhelmstein geworfen, die Wollmütze gegen eine schwarze Melone getauscht und begrüßt sein Publikum mit Sounds von Shaggy und Jan Delay.

Tony Mono, der Starproduzent aus der «flirrenden Metropole» Recklinghausen, hat sich für den letzten Auftritt vor der Sommerpause die Freilichtbühne ausgesucht. Er stellt klar: «Jeder, der heute Abend hier ist, kann ein Star sein, weil jeder Hits über alles schreiben kann.» Diese These belegt er durchgehend in seinem zweistündigen Programm. Der Mann mit den 1000 Stimmen bietet eine Show aus Comedy, Tanz, Interaktion und Persiflagen. Getreu seinem Motto «Das geht besser» parodiert er dutzende nationale und internationale Künstler. «Selbst Dinge, die perfekt scheinen, kann man noch verbessern», findet er und ersetzt wie zum Beweis den Namen «Barbara Streisand» im gleichnamigen Lied von Duck Sauce schlichtweg durch seinen eigenen. Sido, Empire oft he sun, Shakira, Black Eyed Peas, Ich & Ich, Herbert Grönemeyer – Tony Mono macht vor keinem Promi und keinem Musikgenre halt.

Natürlich darf in der Stadt mit dem erotischen Namen einer seiner bekanntesten Einwohner nicht fehlen: Der «Graf». «Das ist ein Beispiel dafür, dass man im Trend bleiben muss, denn ohne Twilight wäre das doch kein Hit geworden», mutmaßt er über das Lied «Geboren, um zu leben». Mit dem Strom schwimmen scheint das Alltagsgeschäft in der Pop-Musikbranche zu sein; Songs «mit Message» liegen gerade im Trend wie der Produzent erklärt. «Wenn es wieder ein Problem mit der Pisa-Studie gibt, wird Daniela Katzenberger drüber singen», sagt der Musikkenner. Zumindest in der Theorie seiner Vermutung steckt wohl der ein oder andere Funken Wahrheit. Egal welches Lied, ob Pippi Langstrumpf, drei Chinesen mit dem Kontrabass oder Lambada – «legt zwei Base-Drums drunter, den Refrain singt ein Schlumpf und schon finden’s alle wieder geil». Dann hüpft er mit blonder Stoppelhaarperücke und Stirnband über die Bühne und reißt mit seiner kreischendsten Nummer alle von den Bänken. Tony Mono braucht keine Promis, er ist selbst der Star und macht mit Seitenhieben auf «Kollegen» deutlich, dass jeder ein angesagter Star sein kann, wenn nur die richtigen Menschen dahinter stehen. Das Geschäft mit der Pop-Musik ist ein schnelllebiges.

Tony Mono hat es verstanden und setzt es gekonnt um. Am Ende verspricht er: «Wenn ich nächstes Jahr ein Konzert spiele, dann hier in Würselen.» Wenn es so sein sollte, wäre es ärgerlich, sich diese Chance entgehen zu lassen.

1 LIVE TMT- Die Tony Mono Tour. Live!

The show must go on. Und wie sie das tut! Ausverkaufte Hallen, Doppeltermine aufgrund der großen Nachfrage, standing ovations am Ende. „1LIVE TMT- Die Tony Mono Tour“ gereicht ihrem Namen zur Ehre und explodiert geradezu. Bekannt wurde Tony Mono vor allem durch die wöchentlichen „Wettervorhersongs“ in 1LIVE, dem jungen Radio des WDR. Inzwischen arbeitet er nach eigener Aussage mit sämtlichen Weltstars zusammen. Und streut neuerdings sogar das Gerücht, er plane in Kürze eine feindliche Übernahme des Senders.

TMT live sprengt auch den Rahmen des Radioformats. Musikpersiflagen, Tanz, Publikumsinteraktionen – manchmal weiß Tony Mono selbst nicht, was als nächstes passiert. Für einen niedlichen Wetterfrosch wird beim „Wettervorhersong“ mit Rammstein aus angesagtem Regen die Chronik eines angekündigten Todes, Madonna mutiert zur Volksmusik-Ikone auf der Alm, Culcha Candela und Juli beweisen dem fachkundigen Publikum, welches Opern-Arien-Potential in ihnen steck

Tony, der selbsternannte „Pimp des Pop“ hat sie alle, kennt sie alle. Und vor allem: Tony kriegt sie alle.
Beste Musik-Comedy und ein begeistertes Publikum!

Infos und Tickets hier.