Burg Wilhelmstein: Rat beauftragt stadteigene Tochter mit Zeltaufbau

Von Georg Pinzek – Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten, 1.2.2011

Würselen. In einer Sondersitzung hat der Stadtrat am Montagabend im Rathaus bei nur einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen den Weg freigemacht, damit das Zeltdach von Burg Wilhelmstein wieder aufgebaut werden kann. Der Wetterschutz der Bardenberger Freilichtbühne war kurz vor dem Jahreswechsel unter der Schneelast zusammengebrochen. Der bis zu 200.000 Euro teure Aufbau der Konstruktion mit textiler Bespannung soll jedoch nicht zu Lasten des städtischen Haushalts gehen, sondern unter der Regie der Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen (SEW) über die Bühne gezogen werden.

Die CDU-Fraktion hatte bis zuletzt ihre Zustimmung zur Erneuerung des demolierten Zelts von der Erfüllung eines Vorgabenkatalogs abhängig gemacht. So pochte sie darauf, dass Alternativangebote eingeholt wurden. CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Jürgen Schmitz hatte deutlich gemacht: «Es muss dargelegt werden, wie zukünftig entsprechende Schadenfälle wirksam verhindert werden können.»
(…) Bei den Vorteilen der Finanzierung über die SEW verwies Schmitz auf die Abzugsfähigkeit der Umsatzsteuer. Sie ist den Kommunen versagt. Auch wird der Einsatz von Spenden und Sponsoring nur möglich, wenn das stadteigene Tochterunternehmen als Bauherr auftritt.

Vorgeschlagen wurde die 100-prozentige Refinanzerung über die Erhöhung des Zeltdachzuschlags von 50 Cent auf ein Euro je Eintrittskarte zu Gunsten der SEW bei allen Veranstaltungen auf der Freilichtbühne, einzige Ausnahme soll der städtische Ehrenabend sein. Die Verträge mit den Nutzern und der SEW müssen daraufhin angepasst werden.

Für Würselen steht viel auf dem Spiel

Kommentar von Georg Pinzek, Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten, 18.1.2011

Am Boden zerstört bleibt das Zeltdach von Burg Wilhelmstein. Als Hauptschuldigen für die Misere hatte das Burgteam „Frau Holle“ ausgemacht. Nach dem Tauwetter droht die Politik, die Kulturstätte, die in der Region ihresgleichen sucht, im (Pech)Regen stehen zu lassen. Sollte der Rat weiter zaudern und zögern und die Bühne stiefmütterlich behandeln, ist nicht nur das aktuelle Programm in Gefahr. Wie soll man unter solchen Bedingungen namhafte Künstler verpflichten? Die Stadt Würselen hat mit der Burgbühne einen der renommiertesten Werbeträger mit einer Strahlkraft weit über die Städteregion hinaus. Das war ein jahrelanges, hartes Stück Arbeit. Keiner etabliert solch eine Adresse von heute auf morgen. In so kurzer Zeit kann die Stadt das Niveau der Bühne aber verspielen. Dass dem Faktor Kultur und Freizeit auch für den attraktiven Wohn- und Wirtschaftsstandort Würselen eine immense Rolle zukommt, wer will das den Bedenkenträgern schon wieder erklären? Das Zeltdach muss unverzüglich wieder aufgebaut werden!

Burg Wilhelmstein: Vorerst kein grünes Licht für neues Zeltdach

Von Ernst Hubert Gier, Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten | 14.01.2011, 14:53

Würselen. Trotz aller Schadensbegrenzung und -bekämpfung, um die sich die Würselener Verwaltung derzeit bemüht: Ob das unter der Last des Schnees eingestürzte Zeltdach der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein tatsächlich wieder aufgebaut werden wird, steht nach der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in den Sternen.
Denn der Ausschuss folgte nicht der Empfehlung von Stadtkämmerer Ludwig Bremen, per Eilentscheidung dafür 210.000 Euro in den Haushalt einzustellen.
Auch nicht, nachdem Technischer Beigeordneter Till von Hoegen die Kosten («Sie dürften unter 180.000 Euro liegen») noch einmal relativiert hatte. Dass die Zeit dränge – auch davon ließ sich der Ausschuss nicht in Richtung eines Beschlusses bewegen. Die Entscheidung über Sein oder Nichtsein des Zeltdaches soll nun in einer Sondersitzung des Rates am Montag, 31. Januar, getroffen werden.

Viele ungeklärte Fragen
Wie CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Jürgen Schmitz darstellte, gebe es noch zu viele ungeklärte Fragen. Unter anderem müsse eine Antwort darauf gegeben werden, wie in Zukunft verfahren werden solle und welche Kosten anfallen werden. Dafür, Alternativen ohne jeglichen Zeitdruck unter die Lupe zu nehmen, sprach sich UWG-Sprecher Theo Scherberich aus. Um Bedenkzeit bat auch FDP-Sprecher Hans Carduck: «Das Zeltdach liegt zwar am Boden, aber nicht die Kultur!» Auf der Burg Wilhelmstein sei in der Vergangenheit auch ohne Zeltdach erfolgreiche kulturelle Arbeit geleistet worden.

Eile ist geboten
Dass sich die Fraktionen nicht zu viel Bedenkzeit nehmen sollten, mahnte der Technische Beigeordnete an. «Für den Aufbau des Zeltdaches benötigt die Firma zwölf bis 18 Wochen.» Und am 27. Mai beginnt bereits die Veranstaltungssaison auf der Bühne.
Alles daran zu setzen, dass die Burg Wilhelmstein wieder so genutzt werden könne wie bisher, gab SPD-Sprecher Stefan Mix für das weitere Vorgehen der Verwaltung vor. Dass auch die Folgekosten geklärt sein müssten, darin stimmte er mit seinem Gegenüber, Karl-Jürgen Schmitz, überein.

Wilhelmstein: Das Zeltdach wird aufgestellt

Von Karl Stüber | 11.01.2011, 18:23 – Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Vorsichtige Entwarnung für die in der Region bekannte und beliebte Freilichtbühne Burg Wilhemstein: Das am 28. Dezember unter der Schneelast zusammengebrochene Zeltdach wird wohl rechtzeitig zum Start des Kulturprogramms am 27. Mai wieder hergestellt sein, teilte die Stadt Würselen mit. «Das Kulturprogramm scheint gesichert», hieß es. Immerhin waren im Jahre 2010 bei 29 Veranstaltungen über 20.000 Besucher gezählt worden.
Die verhalten gute Nachricht ist das Ergebnis der ersten Begutachtung durch Experten der Firma Spann-Bau aus Barsinghausen bei Hannover, die am Dienstag das Ausmaß der Schäden unter die Lupe nahmen.

Zelthaut muss ersetzt werden
Nach Angaben des Technischen Beigeordneten der Stadt Würselen, Till von Hoegen, wird zwar die an mehreren Stellen gerissene Zelthaut ersetzt werden müssen, die erst vor gut zwei Jahren für 80.000 Euro erneuert worden war. Aber immerhin soll der umgestürzte Hauptträger in Rundbogenform wieder aufgestellt werden können.

Vorsorglich werde die Aluminiumkonstruktion, die zum Glück aus einzelnen und damit austauschbaren Teilen besteht, geröntgt und auf Schäden untersucht. Innerhalb von zwei Tagen soll der Kostenvoranschlag vorliegen. Laut Bürgermeister Arno Nelles prüfe das Rechtsamt, dass der Gemeindeversicherungsverband zumindest teilweise die Kosten abdecke. Die Chancen stünden allerdings schlecht.

Gegen Schnee besser wappnen
Die Stadt will verhindern, dass bei weiteren starken Schneefällen die Konstruktion in ihrer Standfestigkeit erneut gefährdet wird. Deshalb wird mit der Spezialfirma ein entsprechendes Notfallprogramm ausgearbeitet. Dieses sieht vor, die Zeltdachkonstruktion technisch so umzurüsten, dass die Stadt Würselen mit eigenen Kräften bei Bedarf schnell reagieren und die Zelthaut «einklappen» kann, wie von Hoegen sagte. Allerdings müsste anschließend die Konstruktion von der Fachfirma wieder aufgespannt werden.

Alle reden vom Wetter – Wir auch!

Nun ist es passiert. Was Kyrill, der Zahn der Zeit, außer Rand und Band geratene Künstler, Zuschauer und Teammitglieder nicht schafften, hat der leise rieselnde Schnee geschafft. Unser schönes Zeltdach liegt darnieder. Alle, die irgendwie damit zu tun haben und sich unserem Programm und dem malerischen Ort verbunden fühlen, sind wie das Dach bestürzt.

Jedoch: Wo Schatten, da auch Licht! Wir beteiligen uns nicht an der hierzulande oft reflexartig einsetzenden Suche nach eventuellen Schuldigen (Frau Holle?), sondern blicken über Burg- und Dachruinen hinaus nach vorne. Gut informierte, entscheidungskompetente und an den Hebeln der Bewerkstelligung sitzende Kreise haben bereits ihren festen Willen bekundet, das nicht nur funktional wichtige sondern nebenbei auch in seiner Art wunderschöne Zeltdach wieder auferstehen zu lassen. Und zwar pünklich zum Saisonbeginn im Mai. Etwa so.

Damit wollen wir klarmachen: selbstverständlich arbeiten wir weiter an der neuen Burg-Wilhelmstein-Saison. Einige Veranstaltungen stehen hier bereits online, weitere werden folgen. Alle Neuigkeiten dazu erfahren Sie dann hier.

Ein gutes neues Jahr wünscht das Team der Burg Wilhelmstein!