Konzertreview Pale – Groß die Melodien, kraftvoll die Gitarren

Von Stefan Schaum, AZ/AN

Würselen. Zum Schluss noch einmal pure Emotion, die große Hymne von Oasis: «Don’t Look Back In Anger». Vor der Bühne der Burg Wilhelmstein: ein wogendes Meer aus Armen, das ganze Publikum ein einziger Chor. Auf der Bühne: Musiker, die einander in den Armen liegen und ziemlich feuchte Augen haben.  Dann die letzten Töne, der große Abschied von Pale. Soll das wirklich der allerletzte Song sein, den die Aachener Band je auf einer Bühne spielt? Schwer vorstellbar nach dieser Leistung. Doch falls ja, war es ein rundum würdiger Abschied.

Strotzend vor Energie

Den hatte es eigentlich schon vor gut zwei Jahren gegeben, als die Band sich nach gut 18-jähriger Geschichte aufgelöst hatte. Doch dieses eine Konzert auf Burg Wilhelmstein, das 2007 im Vorprogramm von Kettcar hätte stattfinden sollen, wollten die Jungs unbedingt nachholen. Damals war Sänger Holger Kochs erkrankt, jetzt aber in Topform, spielfreudig, strotzend vor Energie, so wie alle in der Band. Als deren harter Kern – Holger Kochs und sein Bruder Stephan am Schlagzeug, Gitarrist Christian Dang und Bassist Jürgen «Hilly» Hilgers – die Bühne betritt, drängt das Publikum geschlossen bis an den Rand. Es beginnt eine Party, die 23 Songs lang dauern soll. Weiterlesen

Konzertreview TAB TWO: Ein starker Abend voller Hip-Jazz

Von Katrin Haas – AZ/AN

Würselen. Das Publikum war sich bewusst, das könnte das letzte Mal gewesen sein. Das letzte Mal, dass Trompeter, Komponist und Instrumental-Allrounder Joo Kraus und Bassist Hellmuth Hattler gemeinsam auf der Bühne stehen. Zwölf Konzerte haben «Tab Two» gespielt, das dreizehnte, das letzte auf Burg Wilhelmstein in Würselen. «Ein bisschen weint mein Auge, aber der Himmel lacht», erklärt Hellmuth Hattler wehmütig auf der Freilichtbühne von Burg Wilhelmstein. «Aber es ist viel zu schön, um zu heulen.»
Völlig überraschend für die Fans des Duos (und augenscheinlich auch für Hellmuth Hattler) gab es dreizehn Jahre nach der Trennung wieder eine kurze Tour. Sie produzierten eine Mischung aus Hip-Hop, TripHop, Jazz, Salsa und Drum’n’Bass, zusammengefasst als «Hip-Jazz».

Ihre Fans hätten am liebsten aus dem Sitz- ein Stehkonzert gemacht. In jeder Reihe wippten, zuckten und tanzten die Musikliebhaber auf ihren Sitzen. Nicht nur das Publikum hatte Spaß: Hattler und Kraus dirigierten ihre Fans in der «Mittmachpause» und erklärten gleich dabei mit einem Augenzwinkern ihre Philosophie: «Es ist einfach Blödsinn, darum geht’s, das ist Musik.» Im Gegensatz zu den schnellen Rhythmen stand auch der Moment, als Joo Kraus minutenlang einen Ton auf seiner Trompete hielt.

Wie in Trance stand er auf der Bühne und bewegte sich dann noch durchs Publikum. Für die Fans ein lohnendes Konzert. Und das Duo fühlte sich sichtlich wohl, mit einem Schulterklopfen signalisierten die beiden: Hier funktioniert das Zusammenspiel wieder. Zumindest auf begrenzte Zeit. Als Hattler sich bei seinem Kollegen mit «Danke, Joo» bedankte und dieser ein «Danke, Hellmuth» erwiderte, blieb Hellmuth Hattler nur ein «Wow».

Konzertreview: Und dann brennt doch die Luft: Hubert von Goisern auf Burg Wilhelmstein

Von Sabine Rother – AZ/AN

Würselen. Er ist ein Wanderer zwischen den Welten, einer, der robust wirkt und doch extrem dünnhäutig ist: Hubert von Goisern. Sein Konzert auf Burg Wilhelmstein war restlos ausverkauft, die Fan-Gemeinde mit Wunderkerzen bestens aufgerüstet. Von Goisern, der sich nach seinem Geburtsort Bad Goisern in Oberösterreich benannt hat und eigentlich Hubert Achleitner heißt, hat sich sein Leben lang mit Leidenschaft Neuem geöffnet – ob in Grönland, Südafrika, Kanada, Afrika, Tibet oder zuletzt die Donau auf- und -abwärts auf einem zur Bühne umgebauten Frachtschiff. All das fließt in eine Musik von enormer Bandbreite, wobei sich alles um einen tief in ihm glühenden Kern bewegt: die in frühen Jahren aufgenommene Kraft der Volksmusik, aus der er fantasievollen, harten Alpinrock mit urkräftiger Jodeltechnik schmiedet. Weiterlesen

Review Afro Cuban AllStars – Gegenwart trifft auf Tradition

Von Sabine Rother, AZ/AN

Würselen. Den innigsten, wärmsten und größten Moment dieses durchweg höchst anspruchsvollen Konzertes auf Burg Wilhelmstein erreicht der Abend ganz zum Schluss bei der zweiten Zugabe: Das Durcheinander der Wasserfläschchen, Handtücher, Kabel und anderen Utensilien liegt im Schatten. Juan de Marcos González, straffer Leiter der Afro-Cuban All Stars, die er 1995 im Vorfeld des Buena Vista Social Clubs gründete, greift zum Mikrofon. Das letzte Licht verbindet ihn mit Keyboarder Gliceria Gonzáles Abreu, «Elube Changó», ein stilles Lied in der Yoruba-Sprache, das für Kenner der kubanischen Musik das heilige Versprechen beinhaltet, die eigenen Wurzeln nicht zu vergessen, denn diese «Santería-Musik» ist eine Verflechtung von afro-kubanischer und christlicher Religion, eine musikalisch-emotionale Zusammenführung afrikanischer Gottheiten mit den Heiligen durch Rhythmen und Klangfarben.

Wie im Traum verloren dreht sich noch ein nicht mehr ganz junges Paar vor der zuvor fröhlich umlagerten Bühne. Still kommen die übrigen Bandmitglieder und setzen sich lauschend in einer langen Reihe auf den Rand des Podiums.

Das ist der stimmige Abschluss für ein spannendes Treffen von Danzon, Son Montuno, Guaguanaco, Mambo und Guajira mit musikalischer Gegenwart, umgesetzt von einem erfrischend altersgemischten Ensemble und aufbereitet in mutigen Arrangements, denen man mit Spannung folgt.

Da werden Traditionstitel wie «Lagrimas Negras» oder «Dos Gardenias» durch die Kaskaden eines Big Band-Klangs mit grell aufleuchtenden Bläsern gejagt, gibt es raffiniert ausbalancierte Wechsel in den Tempi und fantasievolle, komplizierte Soli. González ist ein heiterer Gastgeber, der zudem auf der Bühne bei aller Liebenswürdigkeit ein straffes Regiment führt. Weiterlesen

Aufgekratzte Joan Armatrading auf der Burg

Von Stefan Schaum – AZ/AN

Die Schmetterlinge, die Joan Armatrading bei ihrem Auftritt auf Burg Wilhelmstein auf ihrem braunen Sweatshirt trug, die flatterten wohl auch in ihrem Bauch herum. So spielfreudig, so aufgekratzt und so entspannt zugleich geht nur jemand ans Werk, der schon lange für die Musik lebt. Die britische Sängerin hatte die gut 900 Zuhörer vom ersten Ton an im Griff. Dafür sorgten nicht bloß ihr eigenes, glänzendes Gitarrenspiel und diese warme, kraftvolle Stimme, sondern auch die grandiose dreiköpfige Combo im Hintergrund.

«Paris!»: Götz Alsmann und Band begeistern Publikum

Von Sabine Rother – AZ/AN

Würselen. Der Vollblutmusiker hat sich einer neuen Herausforderung gestellt, und es gibt wenige Könner, die mit diesem Genre nicht nur sicher umgehen können, sondern es sich sogar sehr speziell zu eigen machen. Götz Alsmann hat sich das französischen Chanson der 30er bis 60er Jahre ausgesucht und daraus ein frisches und doch in allen Fasern Alsmann-typisches Projekt gestaltet. «Paris!» ist der Titel seiner Tour, mit der er jetzt auf der trotz heftiger Regengüsse voll besetzten Freilichtbühne von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenerg seine neues Programm sowie die aktuelle CD «In Paris» präsentierte – an seiner Seite eine Band, die ihm in Gestaltungsfreude und Musikalität in nichts nachsteht.Nur so funktioniert sein Konzept, denn Alsmann lässt in seinen Arrangements hochkarätigen Mistreitern wie Altfrid Maria Sicking (Vibraphon, Xylophon, Trompete), Michael Ottomar Müller (Bass), Rudi Marholt Schlagzeug) und Markus Paßlick (Percussion) viel Raum für Kreativität, den sie solistisch wie im Ensemble nutzen und sich immer wieder neu als erfahrene Show-Band beweisen. Alsmann sitzt am Klavier oder wandert über die Bühne, lässt Finger und Füße tanzen, singt, haucht, seufzt, knurrt. Locker moderiert er zwischen Rumba und Bolero, Cha Cha Cha, Bossa Nova und Musette.

Weiter mit dem Artikel geht es hier.

Großartige Konzert-Comedy auf Burg Wilhelmstein

Von Stefan Schaum – AZ/AN

Würselen. Optisch macht das kleine Ding einfach nichts her. Da kann man die Ukulele drehen und wenden, wie man will: Immer sieht sie bloß niedlich aus und irgendwie ulkig. Aus der visuellen Not hat das Ukulele Orchestra Of Great Britain eine Tugend gemacht.
Mit viel Komik gingen die sieben Saitenzupfer beim Auftritt auf Burg Wilhelmstein zu Werke. Und hören lassen konnte die Ukulele sich dort allemal. Da steckt schon ordentlich was drin, das die kauzigen Briten gekonnt rauskitzelten. Vornehmlich waren es Pop- und Rockklassiker, die sie ganz neu präsentierten.

So hat man etwa «Kiss» von Prince noch nicht gehört. Dank einer Bass-Ukulele hatte das Ganze sogar einen funky Groove. Charmante Moderationen, skurrile Spielweisen, hier und da Gesang und viel britischer Humor – der Abend changierte zwischen Konzert und Comedy. Halt machte das Zupforchester auch nicht vor den Sex Pistols. Deren Punk-Hymne «Anarchy In The UK» präsentierten sie als Schunkel-Nummer. Frech war das und frisch. Und irgendwie wohl auch schon wieder Punk.

Beth Hart reißt ihre Fans auf Burg Wilhelmstein mit

Siggi Malinowski, AZ/AN

Würselen. Diese Momente kommen öfter vor. Immer wieder sucht Beth Hart danach, ihre angestaute Energie herauszulassen. Gerade und mitten in ihren Songs. Dann trommelt die Kalifornierin mit ihren Fingern beidhändig auf ihrer Bauchdecke. Oder sie umarmt und schubst ihren Gitarristen Jon Nichols. Oder die 40-Jährige springt fast ins Schlagzeug.

Um von null auf 100 zu kommen ist die vielseitige Blues-Rockröhre aus Los Angeles gefühlt schneller als ein Starfighter. Obwohl sie bei ihrem Konzert auf Burg Wilhelmstein in Würselen mit der von ihr getexteten Ballade «Love ist the Hardest» beginnt. Äußerlich stürmte es ein bisschen, innen, im wunderhübschen Rund der Freilichtbühne, lässt es Beth Hart (noch) ruhig, melancholisch angehen. Doch das ändert sich mit dem dritten Titel «Happiness», den das «Bühnenluder» rockig ins Publikum schleudert. Beth Hart ist angekommen. Sie reißt mit, getragen von einer fantastischen Stimme.
Behoben sind ein paar technische Schwierigkeiten, mit denen die Sängerin und ihre vier Bandkollegen anfangs zu kämpfen hatten. «Ist er nicht süß», schickt sie ihrem Mann und Bühnentechniker noch ein paar Komplimente hinterher, als dieser die Mikros austauscht.

«Don’t Explain» – in Anlehnung an ihr Erfolgsalbum von 2011 mit Joe Bonamassa – ist die Tour überschrieben. Aus dem Gemeinschaftswerk, das in den deutschen Charts bis auf Platz 17 und in England auf Rang 22 kletterte, gibt es ein paar der 19 Stücke. «Chocolate Jesus», «Well, Well» und die Single-Auskopplung «I’ll take care of You» sind dabei.
Ansonsten gehte es querbeet durch eine mit neun Alben verzierte Hitgeschichte, die seit gut 18 Jahren andauert. Ganz intensiv gefeiert wird Beth Harts größter Erfolg, der «L.A. Song», aber auch der mitreißende Blues «For my Friends», als Bill-Withers-Cover, verzückt die Hart-Fans. Die Meisterin tritt bei diesem Song ins zweite Glied und lässt vor allem ihren brillant zupfenden Gitarristen Jon Nichols und dem erst 21-jährigen Josh Cooch das Feld.
Der kochende Mix aus Soul, Jazz, Rock und Blues wird in knapp zwei Stunden von einer außergewöhnlichen Sängerin zelebriert, über die Joe Bonamassa mal sagte, «sie ist ein liebenswerter Mensch mit einer außergewöhnlichen Stimme». Und damit erklärt sie sich an diesem Abend 19-fach in ihren Liedern.