Naturally 7 begeistern auf Wilhelmstein

Von Anja Klingbeil, AZ/AN

Würselen. Die E-Gitarre krächzt, das Schlagzeug gibt den Rhythmus vor, Klarinette und Trompete reihen sich harmonisch ein: Nein, auf der Bühne steht kein 30-köpfiges Orchester, auch wenn der Sound noch so bombastisch ist. Naturally 7 machen ihre Musik allein mit dem Mund, ihre Stimmen sind ihre Instrumente. Eine Band ohne Band sozusagen sind die sieben Jungs aus New York, die mit ihrer Stimmgewalt und charmanten Art wieder die Fans auf der Würselener Burg Wilhelmstein begeisterten. Naturally 7 ist weit mehr als schnöder A-cappella-Gesang. Roger Thomas, Dwight Stewart, Rod Eldridge, Garfield Buckley, Warren Thomas, Polo Cummings und Ar-mand Hutton verleihen Klassikern wie „Broken Wings“ oder „More than Words“ einen völlig neuen, eigenen Zauber. Die Mischung aus Rap, HipHop R‘n‘B und Soul kommt auch in Würselen bestens an. Und als sich Phil Collins „In The Air Tonight“ mit der Fußball-Hymne „Seven Nation Army“ von den White Stripes mischt, übernehmen die Fans den Refrain – ein echter Gänsehaut-Moment! (ak)/Foto: Anja Klingbeil

Kettcar: Große Gefühle, aber ganz ohne Kitsch

Von Anja Klingbeil, Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Vor fünf Jahren sollten Kettcar gemeinsam mit den Kollegen der Aachener Band Pale auf der Bühne stehen. Die wollten auf Burg Wilhelmstein ihr Abschiedskonzert geben. Daraus wurde nichts – wegen einer Erkankung des Sängers. Nun war das Hamburger Quintett wieder da. «Und es ist anders», begrüßte Kettcar-Frontmann Marcus Wiebusch die Fans. So ganz allerdings dann doch nicht. Denn obwohl mit neuem Album «Zwischen den Runden» im Gepäck, setzten die Indierocker auf viel Altbewährtes. «48 Stunden» und «Graceland», Songs mit viel Gefühl, die wunderbar geradeheraus sind – das schaffen nur wenige Bands.

Die bittersüße Ballade «Balu» hauchte Wiebusch nicht wie gewohnt zum Abschluss ins Mikro. Aus Erfahrung wird man klug, wie er sagte: «Während die Mädchen dahinschmelzen, sagen die Jungs: Ich geh‘ dann schon mal vor.» Dabei dürfen bei dem Stück auch die Männer träumen, denn klar, romantisch ist es. Doch Kettcar schaffen auch hier den Spagat: deutsche Texte mit großen Gefühlen, die nie zu kitschig werden.

Das Publikum hat das Quintett von Beginn an im Griff. Manches Mal singt anstelle von Wiebusch das Auditorium den Refrain. Es ist diese besondere Stimmung, die Kettcar schaffen. Eine heimelige Wohnzimmer-Atmosphäre, in der ihre hingeschrammelten Hymnen die Luft erfüllen. Das gilt ganz besonders auf Burg Wilhelmstein. «Das ist echt toll. Hier kann man jedem Einzelnen im Publikum in die Augen schauen. Eine gute Übung für das Hurricane-Festival», scherzte Wiebusch.

Zwischen «Balkon gegenüber» und «Money left to burn» machten sich auch die Songs vom neuen Album gut. «Der apokalyptische Reiter und das besorgte Pferd» machten Station am Bahnhof «Erkenschwick». Gut, eigentlich gibt es dort gar keinen Bahnhof, wie im Lied beschrieben. «Aber warum soll man sich von der Realität schon gute Geschichten kaputt machen lassen?», fragt die Band.
Nach fast zwei Stunden und den «Landungsbrücken» war dann Schluss – und jeder ging mit einem guten Gefühl nach Hause.

Schnell wie die Klappergrasmücke

Von Rauke Xenia Bornefeld – Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. Die Picknickkörbe werden wieder gepackt, die Käsewürfel geschnitten, die Rotweinflaschen entkorkt – die Saison auf Burg Wilhelmstein hat am Freitagabend begonnen. Traditionell mit dem «Blind Date»: Drei dem Publikum vorher nicht bekannte Acts lockten die gutgelaunten Publikumsmassen auf die Würselener Freilichtbühne.

Noch eine Tradition: Die Künstler verzichteten an diesem Abend auf ihre Gage und trugen dazu bei, dass die Hilfsaktion «Menschen helfen Menschen» immer wieder unverschuldet in Not Geratenen wieder auf die Beine helfen kann. Acht Millionen Euro standen dafür, berichtete Moderator Robert Esser, Redakteur unserer Zeitung, seit 1988 bereits zur Verfügung. Da rauschte erstmals tosender Beifall die steilen Publikumshänge herab.

Den nächsten Applaus holte sich das Andreas Varady Trio: Zwei Jungs und ihr Vater eroberten das Publikum mit verschmitztem Lächeln und gelebtem Jazz. Der 14-jährige Andreas gilt als Gitarrenjazz-Wunderkind, der in dieser Saison noch auf dem Montreux-Festival spielen wird. Ob er da auch aus den ersten Reihen mit Gummibärchen versorgt werden wird, ist allerdings fraglich. Sein Bruder Adrian, zehn Jahre alt, saß am Schlagzeug und feierte mit Bravour seine Konzertpremiere.

Ebenfalls Premiere, wenn auch nur in Aachen, hatten Ulan und Bator – zwei, ja was eigentlich: Comedians, Kabarettisten, Dada-Künstler, Schauspieler? Von allen ein bisschen und das in einer genialen Mischung. Perfekt getimet, mit bewundernswerter Körperbeherrschung und Schnelligkeit geht es von der Klappergrasmücke über die Phrasendreschmaschine in Fernsehserien bis hin zu «Schreng», einem ziemlich dadaistischen Singsang im Duett.

So war der Boden bereitet für Jimmy Kelly und seine Band. Jimmy Kelly hat seine musikalischen Wurzeln – die Straßenmusik – wiederentdeckt und eine fünfköpfige Straßenmusikerband um sich geschart. «Viva la Street» heißt ihr Programm, mit dem sie am Ende des dreistündigen Programms alle von den Sitzen rissen. Ein sehr gut gelungener Abend und ein erstklassiger Einstieg in die Open-Air-Saison.

Open-Air-Kino online

Liebe Kino-Fans,

unsere Filmpolizei hat ermittelt, die üblichen Verdächtigen observiert, aber am Ende doch auch überraschende Festnahmen vorgenommen.

Denn vieles in der Kino-Landschaft ist in einer rasanten Veränderung begriffen. Für einige aktuelle Filme, die wir gerne gezeigt hätten, bekommen wir zu unserem Zeitpunkt entweder nicht die Rechte, oder sie sind als DVD noch nicht erhältlich, ja sogar sie auf Rolle zu bekommen, wird zunehmend schwierig, da die Filmwirtschaft die Vorführung auf Festplatte umstellt. Wir haben versucht, aus der Not eine Tugend zu machen und haben bei der Filmauswahl unser Augenmerk auf vorwiegend Komödien gerichtet, die uns selber gut gefallen. Deshalb glauben wir, dass Sie bei allen diesen Filmen glänzend unterhalten werden, und wir wünschen Ihnen schon jetzt viel Spass. Unser Filmprogramm dieses Sommers mit allen Infos, den Vorschau-Trailern und die Tickets dazu finden Sie hier.

Joan Armatrading im Sommer auf der Burg. Support: Neil Taylor

Der Name ist seit über 35 Jahren ein Markenzeichen, ein Qualitäts-Gütesiegel im Konzertgeschehen. Die in St. Kitts, Westindien, geborene und später in England aufgewachsene Joan Armatrading vereint in ihren Songs und ihrer Performance eine Reihe unterschiedlichster Einflüsse und Ausprägungen, die sie zu einem herausragenden Gesamtkunstwerk geformt hat. Mit zwei aktuellen Alben im Gepäck kommt sie im Sommer auf unsere Burg. Das eine ist ein Live-Mitschnitt aus der Royal Albert Hall in London (eine Besprechung finden Sie hier), und im Mai erscheint ihr neues Studio-Werk Starlight. Eröffnen wird den Abend Neil Taylor, vielen als der Gitarrist von Robbie Williams und Tears For Fears bekannt. Weitere Infos und die Tickets gibt es hier.

Anarchy In The Ukulele

Kürzlich machte ein kleines Video der kanadischen Band „Walk off the Earth“ Furore im Internet. Die Band covert da GOTYE’S Hit „Somebody That I Used To Know“ in einer besonderen Darbietungsform: Alle Musiker spielen das Stück gemeinsam auf einem einzigen Instrument. Wen es interessiert, siehe hier.

Klingt gut, aber die Idee ist geklaut. Nämlich beim Ukulele Orchestra Of Great Britain. Siehe letztes Drittel dieses Videos:

Wir finden beides toll, aber zu uns kommt das Original. Am Mittwoch 11.Juli um 20 Uhr. Tickets hier.
Schon jetzt viel Spaß wünscht das Team der Burg Wilhelmstein.