Review Afro Cuban AllStars – Gegenwart trifft auf Tradition

Von Sabine Rother, AZ/AN

Würselen. Den innigsten, wärmsten und größten Moment dieses durchweg höchst anspruchsvollen Konzertes auf Burg Wilhelmstein erreicht der Abend ganz zum Schluss bei der zweiten Zugabe: Das Durcheinander der Wasserfläschchen, Handtücher, Kabel und anderen Utensilien liegt im Schatten. Juan de Marcos González, straffer Leiter der Afro-Cuban All Stars, die er 1995 im Vorfeld des Buena Vista Social Clubs gründete, greift zum Mikrofon. Das letzte Licht verbindet ihn mit Keyboarder Gliceria Gonzáles Abreu, «Elube Changó», ein stilles Lied in der Yoruba-Sprache, das für Kenner der kubanischen Musik das heilige Versprechen beinhaltet, die eigenen Wurzeln nicht zu vergessen, denn diese «Santería-Musik» ist eine Verflechtung von afro-kubanischer und christlicher Religion, eine musikalisch-emotionale Zusammenführung afrikanischer Gottheiten mit den Heiligen durch Rhythmen und Klangfarben.

Wie im Traum verloren dreht sich noch ein nicht mehr ganz junges Paar vor der zuvor fröhlich umlagerten Bühne. Still kommen die übrigen Bandmitglieder und setzen sich lauschend in einer langen Reihe auf den Rand des Podiums.

Das ist der stimmige Abschluss für ein spannendes Treffen von Danzon, Son Montuno, Guaguanaco, Mambo und Guajira mit musikalischer Gegenwart, umgesetzt von einem erfrischend altersgemischten Ensemble und aufbereitet in mutigen Arrangements, denen man mit Spannung folgt.

Da werden Traditionstitel wie «Lagrimas Negras» oder «Dos Gardenias» durch die Kaskaden eines Big Band-Klangs mit grell aufleuchtenden Bläsern gejagt, gibt es raffiniert ausbalancierte Wechsel in den Tempi und fantasievolle, komplizierte Soli. González ist ein heiterer Gastgeber, der zudem auf der Bühne bei aller Liebenswürdigkeit ein straffes Regiment führt. Weiterlesen

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