Sanft, aber mit Elan: Erdmöbel auf Burg Wilhelmstein

Von Stefan Schaum, Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. So ganz ohne Wehmut geht es in ihren Songs selten ab. Aber Erdmöbel haben ein geschicktes Händchen dafür, sie nicht schwer klingen zu lassen, sondern geradezu federleicht. Der Pop gibt bei ihnen den Ton an, und den zelebriert die Band schwelgerisch. Auf Burg Wilhelmstein haben die Kölner jetzt den Abschied vom aktuellen Programm «Krokus» gefeiert. Zwar in recht kleinem Kreis, jedoch mit viel Elan.

Der Hauch von Indie haftet der Combo immer noch an. Anders als Element Of Crime oder Tele, die in Sachen Textgespür und Songwriting hier und da grüßen lassen, haben Erdmöbel den Sprung nach oben offenbar noch nicht geschafftt. Nur gut zwei 200 Zuhörer füllen die Sitzreihen, doch das hat an diesem Abend auch sein Gutes. Nach den ersten beiden Stücken prasselt der Regen, und es bleibt Platz unterm Zeltdach, um enger zusammenzurücken und sich zu schützen. Der Band gefällt die Kulisse sichtlich. «Wir spielen die meisten der Songs heute zum wirklich allerletzten Mal – und sogar der Himmel weint», flachst Bassist Ekki Maas.

Die fünf Herren – das Quartett wird beim Auftritt von einem Posaunisten ergänzt – stellen kurzerhand das Programm um und kramen die «lauteren» Songs nach vorn, um den Regen zu übertönen. Dass die Band die 60er Jahre in ihr Herz geschlossen hat, wird rasch deutlich: Die alte Kamera, die den Bühnenhintergrund schmückt, die Retro-Anzüge und Schiebermützen, mit denen die Musiker auf die Bühne kommen, überhaupt das ganze Instrumentarium – Erdmöbel drehen die Zeit zurück. Auch musikalisch: Ein wenig Bossanova hier, ein wenig Burt Bacharach dort – was Erdmöbel spielen, darf man getrost Easy Listening nennen, ohne es abwertend zu meinen. Die Musik geht sanft ins Ohr, da gibt es keine Ecken und Kanten.

Die Gitarren bleiben beim Auftritt in Würselen unverzerrt und sind oft nicht mal elektrisch. Auf alten Stühlen nehmen die Musiker am Bühnenrand Platz und präsentieren ein ausgedehntes Akustik-Set. Sänger Markus Berges hat dazu Texte, die lyrisch sind, aber nicht verkopft klingen. Das alles klingt angenehm, und da hat dann auch der Himmel bald ein Einsehen: Der Regen verzieht sich, doch die Zuhörer bleiben ganz eng bei der Band, die diese Abschiedsfeier zu einem großen Vergnügen macht.

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