Schlechter Sex, charmante Songs – Stefanie Nilles und Tina Dico auf Burg Wilhelmstein

Von Stefan Schaum – Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten

Würselen. So ganz ohne Jungs geht es auch bei der «Ladies Night» nicht ab. Jeweils einen Herrn haben Tina Dico und Stephanie Nilles zur Seite. Mehr musikalische Unterstützung brauchen die Damen auf Burg Wilhelmstein nicht. Ganz reduziert präsentieren sie dort ihre Songs. Dass die Stücke dennoch glänzend funktionieren, zeigt, wie gut sie sind.

Viel mehr als ein Geheimtipp ist die aus New Orleans stammende Stephanie Nilles hierzulande nicht. Ihren Auftritt als Vorprogramm für Tina Dico zu bezeichnen, wäre dennoch geradezu sträflich. Denn der modern interpretierte Jazz, den Nilles trotz einer heftigen Erkältung – zwischen den Songs muss sie immer wieder kräftig husten – abliefert, hat das Zeug zum großen Ding. So könnte eine Katie Melua mit mehr Mumm und einem Schuss Tom Waits klingen. Wenn Melua denn wie Nilles in ihren Songs von schlechtem Sex nach zu viel schlechtem Bier oder Spannern bei Facebook singen würde.

Im schwarzen Abendkleid und in Flip-Flops sitzt Nilles am Flügel und zappelt mitunter wie ein kleines Kind, wenn sie wild in die Tasten haut. Oft klingt das frech, nicht selten schräg. Mal verschleppt sie gezielt den Rhythmus, mal haut sie ihre Worte stakkatoartig raus, etwa bei einem Cover des HipHop-Sängers Busta Rhymes. Faszinierend ist dabei das enge Zusammenspiel mit Matt Wigton, der seinen Stehbass oft zur treibenden Kraft macht, ihn abwechselnd zupft und auf ihm herumhämmert.

Auch Tina Dico hat einen beeindruckenden Musiker zur Seite: Helgi Jonson, mit dem die Dänin einige der präsentierten Songs komponiert hat und der die Stücke hier und da am Piano, mit der Posaune oder Gitarre akzentuiert. Tina Dico genießt es sichtlich, nach Touren mit kompletter Band und aufgemotzten Arrangements ihre Lieder auf Burg Wilhelmstein «so zu präsentieren, wie ich sie mal geschrieben habe». Meist sind es zarte Folkpickings, mit denen sie sich auf der Akustikgitarre begleitet und so ihrer kraftvollen Stimme und den Stücken viel Luft zum Atmen gibt. Besonders die Hits wie «Count To Ten» oder «One» werden dabei gern vom Publikum mitgesungen.

Die Nähe zu den Zuhörern gefällt Tina Dico ganz offenbar, sie plaudert viel mit ihren Zuhörern und beweist dabei auch Sinn für Komik. Charmant ist das, wie der ganze Abend.

Und am Ende gibt es richtig viel Applaus für diese Doppelpackung bei der «Ladies Night».

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.