Aus Liebe zum Kabarett

Ich habe in diesem blog bereits über die magischen Momente geschrieben, die Musik oder Töne an sich beim Hörer auslösen können. Hagen Rether ist auch so ein Fall. Vor einiger Zeit lauschte ich im Autoradio das Programm eines Senders, der sich überwiegend über Wortbeiträge definiert und dem Hörer keinerlei Pop-Schnickschnack zumutet. Im Äther lief der Live-Mitschnitt eines mir bis dahin noch unbekannten Künstlers. Im Hintergrund entfaltete das Klavier einen wunderbar weichen Klangteppich; und die zurückhaltende Begleitung stand in einem krassen Kontrast zu den drastischen Wahrheiten, die der Kabarettist da ins Publikum schleuderte. Die Autofahrt endete, doch ich blieb sitzen und konnte mich dem Sog des Auftritts nicht mehr entziehen. Ich stellte den Motor ab und saß im dunklen Fonds meines Wagens; und da war dieser Mann am Klavier, der von Gesichtsmortadella sang und immer wieder beteuerte, dass wir doch alle so wenig wissen. Grandios! Erst später – nachdem ich im Internet nachgeschlagen hatte – fand ich heraus, was ich da gehört hatte: Hagen Rether und sein Programm mit dem Namen „Liebe“. Ich werde mir den Auftritt auf der Burg am 20. August nicht entgehen lassen. Karten gibt’s hier.

Liebe – Hagen Rether

Hagen Rether gilt als einer, der das Kabarett geradezu neu erfunden hat. Die Feuilletons sind voller Lobeshymnen auf den mit Preisen üppig dekorierten Kabarettisten – er bringt etwas auf die Bühne, das keineswegs selbstverständlich ist: einen eigenen Stil gepaart mit Können, Souveränität und Ausstrahlung. Drei Stunden lang nimmt er planvoll und ohne Hast, voller Sarkasmus, Ironie und Angriffslust das Weltgetriebe auseinander – die personifizierte Rache des Intellektuellen an den Machern dieser Welt. Beiläufig plaudernd macht er gleichzeitig knallhartes politisches „Kabarett mit Soundtrack“. Die uralte kritische Botschaft, die Verlogenheit der Konsumgesellschaft und des Establishments zu geißeln, erfüllt er subversiv, nonchalant und hundsgemein. Und er polarisiert dabei, auch das anwesende Publikum.

Seine Methode: „Ich lese täglich mehrere Zeitungen – das ist der Witz dabei. Nichts von dem, was ich sage, ist erfunden oder erlogen. Am Ende des Abends versteht man, warum das Programm „Liebe“ heißt: Ich verkörpere einen humanistischen Nazi, einen moralischen Zyniker und einen zynischen Moralisten.“

„Sprachlich so geschliffen und knallhart wie kein anderer wehrt sich da ein von der Welt enttäuschter Intellektueller, betreibt eine verletzte Seele Aufklärung in ihrer furiosesten Form, mit allem, was das Arsenal an Ironie, Sarkasmus und Zynismus hergibt. Nach wie vor einzigartig.”
(Süddeutsche Zeitung)

In Zusammenarbeit mit dem KOMM Düren


Hagen Rether – Der Islam

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20.08.2010, 19.30 Uhr auf der Burg Wilhelmstein