Kino

Zwei Leben Drama, Deutschland/Norwegen 2012


Open-Air-Kino
Online-VVK: (inkl. aller Steuern, Ticket- und Bearbeitungsgebühren) 10.00 € vorbei

Regie: Georg Maas/Judith Kaufmann
Mit Juliane Köhler, Liv Ullmann, Sven Nordin, Ken Duken, Julia Bache-Wiig u.a.

In der Ruhe liegt die Wucht. Zwei Leben (nach dem Roman Eiszeiten von Hannelore Hippe) ist ein zunächst ruhig erzählter Film über eine Ungeheuerlichkeit, einen Teil deutscher Kriegs- und Nachkriegsgeschichte und dem, was sich für diesen kleinen erzählten Teil daraus ergeben hat. Dabei ist dieser Film, bei dem auch zwei Aachener maßgeblich beteiligt sind (Georg Maas als Regisseur und Drehbuch-Autor und Dieter Zeppenfeld mit seiner Zinnober-Filmproduktion) kein Betroffenheitsding um die immer gleichen wunden Punkte jüngerer deutscher Vergangenheit, eher ein spannender Agententhriller, dazu ein Familiendrama mit historischer Gewissenserforschung. Maas und seine Co-Regisseurin Judith Kaufmann machen deutlich, dass die Wirklichkeit komplex ist, dass sich die Grenzen zwischen Gut und Böse oftmals nicht leicht ziehen lassen. Richtig kompliziert wird es, wenn die Linie zwischen Wahrheit und Lüge irgendwo innerhalb der eigenen Person verläuft, wenn man gleichzeitig „Zwei Leben“ lebt.

Rückblende: Katrine (Juliane Köhler) kam als Tochter einer Norwegerin (Liv Ullmann) und eines deutschen Soldaten während der Zeit der deutschen Besetzung Norwegens zur Welt. Ein doppelt verhängnisvolles Schicksal: von den Norwegern verachtet und ausgegrenzt als „Deutschenkind“, von den Nazis als „rassisch wertvoll“ in ein Lebensborn-Heim nach Sachsen verbracht, als junge Erwachsene aus der DDR geflohen, um ihre leibliche Mutter wiederzufinden.

Dann die verblüffende Wendung. Durch Nachforschungen eines jungen idealistischen Anwalts (Ken Duken), der die Verschleppung von Kindern wie Katrine vor den Europäischen Gerichtshof bringen will, wird Stück für Stück ein heimtückischer Plot der Stasi offenbar. Daraus entwickelt sich spannend und beklemmend das Porträt eines Heimkinds, das sich immer nach Geborgenheit sehnte, dem die Stasi zur Ersatzfamilie wurde – bis in Norwegen der Sprung ins eigene Leben gelang. Beinahe. Beinahe?

Der Film mit einem tollen Schauspieler Ensemble war als bester fremdsprachiger (aus US-Sicht) Film für den Oscar nominiert. Er hätte ihn verdient gehabt.

97 Minuten
FSK12

lg_apolloOpen Air Kino in Zusammenarbeit mit Apollo Kino & Bar Aachen.
Mit freundlicher Unterstützung durch Projekt-R (www.projekt-r.de)