Countrystar oder Schlagerfuzzi? Zum Konzert von Gunter Gabriel auf Burg Wilhelmstein.

An Gunter Gabriel scheiden sich oft die Geister. Für die einen ist er der einzige authentische County-Star hierzulande, für die anderen – und dazu gehörte zugegeben bisher auch der Schreiber dieser Zeilen – ist er eher der Abteilung Schlagerfuzzi zuzuordnen. Mega-Erfolge stehen neben umso tieferem Absturz, und oft hat er durch seinen Lebensstil größere Schlagzeilen in der Yellow-Press hervorgerufen, als durch seine Musik.

Nun kommt er im Alter von 67 Jahren mit einem Album um die Ecke, das aufhorchen lässt. Es heißt Sohn aus dem Volk und ist zumindest im Marketing an die American Recordings seines Vorbilds und verstorbenen Freundes Johnny Cash angelehnt (der übrigens in seinem öffentlichen Leben auch oft die Grenze zur Peinlichkeit überschritt, bevor mit seinem Spätwerk zur amerikanischen Ikone schlechthin hochstilisiert wurde). Spekulativ? Ja klar, aber natürlich wie fast alles in diesem Geschäft. Das Album, das neben Repertoire-Highlights im Focus unseres Konzertes stehen wird, bietet neben neuen Songs auch Coverversionen von z.B. Ideals Blaue Augen, Bowies Heroes (zusammen mit The Boss Hoss), Peter Fox’ Haus am See, Cashs (natürlich!) Before My Time, Klees Zwei Fragen und Radioheads Creep, die nicht nur erstaunlich gut klingen und funktionieren, sie kriegen in seiner Interpretation auch manchmal einen Sinn, den man bisher überhört hatte. Und ob man ihn nun mag oder nicht, Songs schreiben, interpretieren und auch sie auf der Bühne live abgehen lassen (bei uns mit einer tollen jungen Band) konnte er schon immer. Und sich aufgegeben hat er nie. Chapeau, Gunter Gabriel!

Lesetipp zum Phänomen: http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=190911146&blogId=266062968

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