Willkommen bei den Sch’tis

Mit dem Humor ist das ja bekanntlich so eine Sache: Wo sich der eine lachend auf die Schenkel haut, schläft der andere ein. Ganz schwierig wird es allerdings, wenn der Humor dann auch noch mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit ausgestattet ist. Der Rheinländer kann nicht zwingend über den Westfalen lachen, wobei man an dieser Stelle natürlich auch die Frage diskutieren könnte, ob der Westfale an sich überhaupt eine Art von Humor hat. Eine Frage, die ich möglicherweise mit Konrad Beikircher erörtern würde, wenn er am 27. August auf der Burg zu Gast ist. Nun gut: Die französische Produktion „Willkommen bei den Scht’is“ spielt genau mit diesem Gegensatz – Nord gegen Süd – Hamburger gegen Bajuware. Der Postbote Philippe wird in den Norden versetzt und muss die Strände Südfrankreichs gegen die Kanalküste eintauschen. Die Situationskomik entsteht aus dem sonderbaren Dialekt der Einheimischen. In der deutschen Fassung haben sich die Übersetzer eines Kunstgriffs bedient und eine neue Synchronsprache erfunden, die Christoph Maria Herbst (besser bekannt als Stromberg) sehr treffend umsetzt. Dennoch: Warum versucht man eine Komödie, deren Inhalt auf sehr speziellen kulturellen Begebenheiten beruht, überhaupt ins Deutsche zu übersetzen? Mich konnte der Film nicht begeistern. In Frankreich hingegen strömten 20 Millionen Besucher in die Kinos; und auch in Deutschland war der Film – trotz oder gerade wegen der Übersetzung – ein Hit.

„Willkommen bei den Sch’tis“ läuft am 26. August auf der Burg. Tickets gibt’s hier

Up in the Air

Für seine Rolle des kaltherzigen Sanierers in der Hollywood-Produktion Up in the Air hat George Clooney in diesem Jahr eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller eingeheimst; bekommen hat ihn dann aber ein anderer: Jeff Bridges gewann die Trophäe für seine Darstellung des abgehalfterten Countrystars Bad Blake in den Film Crazy Heart. Was viele nicht wissen: in Amerika verdienen Musiker vom Schlag eines Garth Brooks mehr als Michael Jackson zu seinen besten Zeiten (kein Witz). Jeff Bridges gibt also den gealterten Sänger, der den Zenit seiner Karriere seit geraumer Zeit überschritten hat. Dem Suff verfallen und permanent Pleite tingelt Bad Blake zwischen miesen Clubs und Bowlingbahnen und spielt mit wechselnden Begleitbands auf. Am Rande eines Auftritts lernt er die junge Journalistin Jean kennen (gespielt von Maggie Gyllenhaal). Der Film, der eigentlich direkt für das Videoregal produziert werden sollte, erzählt im Grunde keine aufregende Geschichte, ist aber auf eindringliche Weise glaubwürdig und wurde zurecht (was den Hauptdarsteller angeht) mit der wichtigsten Auszeichnung gewürdigt. Die stimmungsvollen Bilder und die Countrymusik jenseits von Truck Stop sind sehens- und vor allem hörenswert. Und wer am 6. August das Konzert von Gunter Gabriel und Band auf der Burg Wilhelmstein besuchen sollte und womöglich zuvor den Film gesehen hat, mag vielleicht eine Parallele sehen – muss aber nicht.

Für alle anderen gibt es George Clooney am 05.08 2010 auf der Burg in den Film Up in the Air zu sehen. Tickets gibt’s hier

Soul Kitchen

„Hamburg war immer gut zu mir“, sagte Regisseur Fatih Akin in einem Interview. Aus diesem Grund hat der türkisch-stämmige Regisseur im vergangenen Jahr mit Soul Kitchen eine filmische Hommage an seine Heimatstadt in die Kinos gebracht. Nach den Produktionen Kurz und schmerzlos (1998), Im Juli (2000), Solino (2002) und Gegen die Wand (2004) hat der fünfte Langfilm den bisher erfolgreichsten Start an den Kinokassen hingelegt. Nach dem eher schwermütigen und düsteren Film Gegen die Wand versuchte sich Fatih Akin an einer Komödie. Die Handlung dreht sich um das titelgebende Restaurant Soul Kitchen im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Die sich überschlagenden Ereignisse sollen an dieser Stelle nicht weiter ausgebreitet werden. Nur soviel: das Berufsbild des „Knochenbrechers“ wird auf sehr plastische Weise in Szene gesetzt. In seiner ersten Kinoproduktion aus dem Jahre 1998 (Kurz und schmerzlos) spielt übrigens Mehmet Kurtulus die Hauptrolle; und der ist ja nun unlängst als Undercover-Agent von der Elbe in die Reihe der Tatort-Kommissare aufgestiegen.

Soul Kitchen am 29.07 2010 auf der Burg. Tickets gibt’s hier

Fußball vs. Gefühl

Doris Dörrie musste gegen die besten Fußballer des Kontinents antreten; denn als ihr Film „Kirschblüten – Hanami“ in den Lichtspielhäusern anlief, war gerade Europameisterschaft; an den Kinokassen hat sich die Produktion aber dennoch durchgesetzt – völlig zu Recht, wie ich finde, denn mehr Gefühl geht eigentlich nicht. Die Handlung: Trudi (Hannelore Elsner) und Rudi (grandios: Elmar Wepper) sind ein paar in den Sechzigern und leben im bayerischen Landidyll. Nur Trudi weiß um den schlechten Gesundheitszustand ihres Mannes; doch anstatt ihm die Wahrheit zu offenbaren, unternehmen beide eine gemeinsame Fahrt an die Ostsee. Als Trudi überraschend stirbt, erfährt Rudi, dass seine Frau eine heimliche Leidenschaft für Japan und seine Kultur – in diesem Fall der Ausdruckstanz Butoh – hegte. In das Land selbst hat sie es allerdings nie geschafft. So reist der Witwer an ihrer Stelle nach Tokyo, um den Traum zu leben. Der Film verzichtet dabei – aufgrund der Sprachbarriere – auf geschwätzige Dialoge und setzt stattdessen auf große Gefühle und die Macht des Tanzes. Wie Elmar Wepper am Fuße des Fuji seine letzte große Reise antritt, ist ganz großes Kino. Wer da keine Träne verdrückt, ist selbst Schuld.

Kirchblüten – Hanami am 19.08.2010 auf der Burg. Tickets unter http://tickets.burg-wilhelmstein.com/single.php?cid=328