Jazz-Konzert

Thomas Quasthoff Quartett – mit: Wolfgang Haffner, Simon Osländer & Dieter Ilg – Ersatztermin für den 09.09.2020 100% T.Q.


Burg Wilhelmstein
Online-VVK: (wenn nicht anders angegeben Preis inkl. aller Steuern, Ticket- und Bearbeitungsgebühren) Saalplan ab 25 € zzgl. Gebühren Tickets

THOMAS QUASTHOFF ist das beste Beispiel dafür, dass man sich auch später im Leben neu erfinden kann. Aus dem gefeierten klassischen Liedsänger wurde ein gefragter Jazzer. So wird er dieses Jahr auf der Burg Wilhelmstein mit Freunden musizieren, die im Jazz-Bereich selbst zu den Größten zählen. WOLFGANG HAFFNER, SIMON OSLENDER & DIETER ILG.

Der „Mann mit der schönsten Stimme der Welt“, wie ihn der Stern titulierte, weiß ganz genau, was er tut. Und was er will. Dass dabei Interpretationskraft und Geschmackssicherheit zusammen-gehen, zeigt sich nach seinen unvergessenen Schubert-Interpretationen nun genauso authentisch im Jazz. Wie der Bassbariton seinem Anspruch, Menschen mit seiner Stimme wirklich zu berühren, gerecht wird, machen die Publikumsreaktionen deutlich und die Lobeshymnen der Presse dokumentieren noch immer die Faszination und Begeisterung, die er mit seiner Ausnahmestimme bei seinen Zuhörer*innen auszulösen vermag.

Freuen Sie sich auf ein Konzert besonderen Art, die Thomas Quasthoff mit seinem Trio bestehend aus Simon Oslender (Klavier), Dieter Ilg (Kontrabass) und Wolfgang Haffner (Schlagzeug)

„Ich habe ein neues Instrument gelernt, das heißt Mikrofon. Ich habe gelernt, damit Klangfarben zu erzeugen, indem ich zum Beispiel ganz nah herangehe und einen weichen Balladensound erzeuge. Eine ganz neue Intimität ist damit für mich möglich, und darin gewinne ich immer mehr Sicherheit. Dafür muss man die Intonation stärker kontrollieren, was man mit einem Klavier und selbst mit einem großen Orchester nicht muss. Meine Stimme hat sich längst vollständig erholt, ich fühle mich wohl. Mittlerweile erreiche ich auch Höhen, in denen meine Stimme für eine Weile nicht so gut angesprochen hat. Das macht mich sehr zufrieden.“

„Wir sind befreundet, und das macht es so toll. Das Allerschönste dabei ist: Jeder freut sich, wenn dem anderen etwas Tolles gelingt. Damit ist immer mehr Freiheit möglich, ich fühle nicht mehr die Strenge des klassischen Konzertes. Im Grunde genommen habe ich mich selbst von einem Kunstsockel heruntergeholt. Das schönste Kompliment ist für mich, wenn ich höre: ‚Da singt nicht ein klassischer Sänger, der Jazz macht, sondern ein Jazzsänger.‘ Anders als bei einem Liederabend fühle ich mich nicht als Zentralfigur des Abends, sondern als einer von vier Mitmusikern.“

„Eines meiner Lieblingsstücke ist ‚One for My Baby‘. Da sitzt ein Typ an der Bar und sagt dem Barkeeper: ‚Hör mal zu, mir geht es schlecht. Meine Freundin hat mich verlassen. Deshalb spendiere ich jetzt eine Runde für sie und dann noch eine weitere für den Weg, den ich ab jetzt gehen werde.‘ Wenn es ein klassisches Lied wäre, würde es die Situation nur beschreiben. Im Jazz kann ich dagegen alle Emotionen des Menschen in die Stimme legen, der da singt. Innerhalb desselben Satzes höre ich dann tausendmal mehr, wie es dem Typen da an der Theke geht. Schon in Schuberts Winterreise oder Bachs Matthäuspassion wollte ich nicht nur interpretieren, sondern der Müllerbursche sein und ‚Mache Dich, mein Herze, rein‘ als Fürbitte wirklich direkt an Jesus adressieren. Im Jazz kann ich noch darüber hinaus gestalten. In der Klassik singe ich genau, was da steht, mit der exakten Notenlänge. Wenn ich bei ‚Summertime‘ Lust habe, dann dehne ich den Ton, „you spread your wings“ und erzeuge wirklich das Bild, dass da jemand seine Schwingen ausbreitet. Wie im Jazz völlig frei zu gestalten, ist in der Klassik verboten. Der klassische Künstler singt zwar seine eigene Interpretation, aber nie in freier Gestaltung, sondern höchstens so wie er denkt, dass es künstlerisch gemeint ist.“